
Mit dem Rad durch Europa
UNTERWEGS VOM 19.07.2010 BIS 03.10.2011
DIE IDEE!
IM NOVEMBER 2009 FASSTEN WIR (ANNA UND CARSTEN) DEN ENTSCHLUSS, UNSERE GEWOHNTE UMGEBUNG,
UNSERE WOHNUNG UND UNSERE JOBS AUFZUGEBEN, UM MIT DEM FAHRRAD FÜR 1-
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Wie viele Kilometer?
Eine der Standardfragen ist, wie viele Kilometer wir an einem Tag fahren. Eine gute
Frage aber für uns gar nicht so einfach zu beantworten. Die reine Kilometerzahl sagt
unserer Meinung nach zu wenig aus. Unsere Antwort auf die Frage ist inzwischen "Das
ist ganz unterschiedlich und liegt zwischen 30 bis 180 km." Die 180 beeindruckt die
meisten doch sehr. Dabei waren das nicht die härtesten oder schwierigsten Kilometer.
Tage mit halb so viel Kilometern und weniger waren schon häufig viel schwerer. Verschiedenste
Faktoren beeinflussen das Radfahren. Zum Beispiel die Anzahl der Höhenmeter in Verbindung
mit der prozentualen Steigung, die Windstärke und -
Der Weg ist das Ziel, aber welcher Weg soll es sein?
Für die erste Hälfte hatten wir einen Grobplan. Für danach hatten wir uns gedanklich viele Möglichkeiten offen gehalten. Die Erfahrungen der ersten Monate sollten uns zeigen, wohin unsere Reise gehen kann. Bei den vielen Möglichkeiten, die uns theoretisch offen standen, haben wir uns für eine relativ "unspektakuläre" entschieden. Viele zieht es in die Ferne. Uns nicht. Warum? Es spricht vieles für Europa. Europa bietet einzigartige und vielfältige Landschaften, eine breite Auswahl an Straßen und reizvolle Dörfer und Städtchen. Es ist vor allem die Abwechslung, die für uns zählt. Dank den Kanaren findet man in Europa alle Vegetationszonen (außer tropischen Regenwald) vielleicht nicht in allen Ausprägungen, aber dafür ändert sich das Landschaftsbild aller paar Kilometer. In allen Ländern gibt es Wege und kleine Straßen auf denen man entspannt ohne viel Autoverkehr radeln kann. Wir mussten bisher nur wenige Male auf großen Straßen fahren. Auch wenn die kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern nicht mehr all zu groß sind, so sind es doch die vielen kleinen Feinheiten, die jedes Land für sich interessant machen.
ein typisches Gespräch auf dem Rad:
Carsten sagt etwas. Anna: "Hä?" C: wiederholt mehr oder weniger geduldig das Gesagte. A: "Was?" C: Wartet A: Die Wortfetzen sickern langsam ein und es wird versucht ein Zusammenhang herzustellen. A: "Ja" C: "Hä?" A: "Jaaa" C: "Was, Hä????" A: "Hä?" C: gibt auf...
Was wiegt alles zusammen?
Erst bei unseren Flügen konnten wir sehen, wie schwer wir doch unterwegs sind. Jeder hatte 20kg Gepäck + 10 kg Handgepäck. Das alleine ergibt schon mal 60 kg. Die Räder wiegen ca. 16 und 18 kg (mit Schloss). Dazu kommt noch Essen und Trinken, was ebenfalls noch mal ca. 5 bis 10 kg ausmacht. Summa summarum ergibt das ca. 50 bis 60 kg mit Rad pro Person.
Was ist alles drin in unseren Küchentaschen?
Unser Energieverbrauch ist hoch, dementsprechend sind auch unsere Taschen meistens gut gefüllt. Nicht alles ist natürlich immer an Board aber im Schnitt haben wir folgende Dinge mit dabei.
Fürs Abendessen: 0,5-
Fürs Frühstück: 0,5-
Zwischendurch: 200-
Zusätzlich holen wir uns kurz bevor wir ankommen, wenn wir die Möglichkeit dazu haben, noch verschiedene andere Sachen, wie zum Beispiel:
Schinkenwürfel, Würstchen, Backed Beans, Corned Beef, frische Paprika, Gurke und/oder Tomaten, verschiedenes Obst, Eier, Schafskäse, Jogurt, Oliven
Wie sieht ein typischer Radtag aus?
7.30 Uhr -
10.00 Uhr -
18.00 Uhr -
Ab 21.30 Uhr liegen wir meistens im Zelt und spätestens 22.00 Uhr schlafen wir tief und fest, weil die Anstrengungen des Tages uns geschafft haben.
Wie sieht ein Ruhetag aus?
Die Ruhetage dienen in erster Linie der Erholung, das heißt viel schlafen und essen. Wenn wir gerade mal nicht schlafen oder essen, wird die Ausrüstung kontrolliert, gesäubert und wenn nötig ausgebessert, die Wäsche gewaschen und unsere Internetseite aktualisiert. Für mehr bleibt meistens keine Zeit. In letzter Zeit machen wir auch kleine Ausflüge zu Fuß, dann kann der Tag aber meistens nicht mehr als Ruhetag gezählt werden.
Was können wir gar nicht leiden?
1. Große viel befahrene Straßen
Anderen macht dies wahrscheinlich weniger aus, aber wir reagieren sehr sensibel auf Autos und noch schlimmer LKW´s. Selbst die schönste Landschaft macht keinen Spaß, wenn ständig an einem Fahrzeuge vorbeirasen. Abgesehen davon muss man sich sehr konzentrieren, um nicht ausversehen einen Schlenker zu machen. Oft sind die motorisierten Verkehrteilnehmer sehr rücksichtlos, in dem sie ohne vom Gas zu gehen, sehr knapp an einem vorbei fahren, obwohl genug Platz gewesen wäre.
2. Regen
Dank Goretex schafft man es zwar, eine ganze Weile selbst nicht nass zu werden aber Spaß macht es keinen. Wenn es zu warm ist, dann schwitzt man schnell darunter und man wird auch von innen nass. Dann wird es richtig unangenehm.
3. Gegenwind
Permanenter Gegenwind zehrt einfach an den Nerven. Lieber fahren wir inzwischen bergauf
und -
4. Hunde
Es gibt sie fast überall und überall reagieren die Hunde gleich auf uns. Wir werden meistens aggressiv angebellt. Zum Glück hält oft ein Zaun oder eine Kette den Hund zurück. Manche kommen aber auch mal recht überraschend aus einer Ausfahrt geprescht.
5. Sackgassen
Es kommt zwar nicht oft vor, aber wenn es mal vorkommt, dann ist es meistens sehr
ärgerlich. Der Ärger steigt proportional zum Weg, den man wieder zurück muss ;-
Was macht für uns einen schönen Radtag aus?
Punkt 1-
Oft werden wir mit "Na, ihr Dauerurlauber" begrüßt oder uns wird "noch einen schönen Urlaub euch" gewünscht. Für Viele mag so eine Reise wie ein Dauerurlaub erscheinen und sicherlich sind die meisten Tage schöner und eigenbestimmter im Vergleich zu unserem früheren Alltag aber Urlaub würden wir es dennoch nicht nennen. Die größten Unterschiede liegen in den Faktoren Geld, Zeit und Anpassung.
Faktor Geld
Die meisten fahren in den Urlaub mit der Einstellung: "im Urlaub gönne ich mir mal
was". Das können wir nicht. Im Gegenteil, wir müssen jeden Tag sehen, dass wir möglichst
in unserem geplanten Tagesbudget bleiben. Am Anfang hatten wir mit 15,-
Faktor Zeit
Die Zeitspanne ist deutlich größer als bei einem Urlaub. Trotzdem muss auch diese Zeit eingeteilt werden. Gerade unsere ersten Monate waren davon geprägt, dass wir einerseits viel sehen wollten und andererseits auch vorwärts kommen mussten, damit uns nicht der Winter in Nordeuropa erwischt. Die Anzahl der Kilometer, die man dem Rad zurück legen kann in einem bestimmten Zeitraum, sind begrenzt. Regelmäßige Ruhetage sind aus unserer Sicht genauso wichtig, wie das Radfahren selbst. Für kleine Abstecher nach links oder rechts ist meistens keine Zeit oder keine Kraft vorhanden. So können wir nicht alles sehen aber dass was wir sehen prägt sich dafür viel intensiver ein. Auch hier gilt eher „Weniger ist mehr“.
Faktor Anpassung
Individualreisen erfordern eine größere Anpassungsbereitschaft. Oft hat man keine Wahl und muss die Bedingungen, die man an einem Ort oder in einer Region vorfindet, hinnehmen und das Beste draus machen. Viele Situationen setzen einen unter Stress. Das immer wieder neu zu recht finden in einer neuen Gegend oder einem neuen Ort ist nicht immer einfach. In vielen Ländern sind die Infrastrukturen nicht gerade Radfahrer freundlich. Rücksichtlose Autofahrer machen einem das Leben schwer. Sprachbarrieren gilt es immer wieder zu überwinden. Da wir uns hauptsächlich draußen bewegen, spielt das Wetter natürlich auch eine größere Rolle. Ein bis zwei Tage kann man schlechtes Wetter ja noch ganz gut aushalten. Aber wenn es dann längere Zeit regnerisch, windig und/ oder kalt ist, zerrt dies an den Nerven und der Spaß ist schnell vorbei.
Bekannte von uns, die auch mit dem Rad ein Jahr unterwegs sind, schrieben einmal "Das ist halt kein einfacher Urlaub. Das ist Reisen mit allen Höhen und Tiefen!" und so ist es. Im Vergleich zu einem normalen Urlaub hat so eine Reise viel mehr Tiefen und Schwierigkeiten aber dafür auch viele einmalige Höhen, die man so vielleicht nicht unbedingt in einem Urlaub erlebt.