Toll im SattelMit dem Rad durch Europa 2010/2011
Etappen / Etappe 2: England & Schottland

Etappe 2

England & Schottland

England & Schottland

Rückblick vom 30.08.2010

England - nichts für Warmduscher

2 1/2 Wochen England waren für uns eine harte Schule. Ein ständiges Auf und Ab mit Anstiegen von häufig 10 bis 15 % und teilweise auch mehr, haben uns körperlich an unsere Grenzen gebracht. Aber nicht nur die Anstiege, sondern auch der so oft genannte englische Sommer hat uns abgehärtet. Der Sommer kommt einem hier so vor, wie bei uns ein kühler April, nur dass die Wetterwechsel im Zeitraffer ablaufen. Beides hat uns dazu gebracht, im Moment Zug- und Radfahren zu kombinieren, um uns zu erholen oder vor dem Wetter zu flüchten. Als Nächstes werden wir in die Highlands fahren, auf die wir schon sehr gespannt sind. Tagesberichte

Rückblick vom 15.09.2010

Schönes Schottland

Schottland hat uns alles geboten, was wir uns wünschen. Eine grandiose und sehr abwechslungsreiche Landschaft, freundliche Menschen, einsame Gegenden und sehr schöne Wege haben uns viele Momente der Glückseligkeit beschert. Vieles nehmen wir inzwischen leichter und lernen langsam die Sachen so zu nehmen, wie sie sind.

Mit Fährfahrt

nach Harwich/ E

Strecke: 36 km

Zeit: 2:24 h

Ø: 15,19 km/h

Höhenmeter: 145 m

England wir kommen

Als wir in Hoek van Holland die Fähre nach Harwich stehen sahen und erfuhren, dass diese in 1,5 h abfährt, konnten wir nicht widerstehen und sind kurz entschlossen eingestiegen. 7 Stunden dauerte die Überfahrt, die relativ schnell verging, da wir seit längerem mal wieder eine Sitzgelegenheit mit Tisch, Strom und Wlan hatten, so dass wir in aller Ruhe unsere Internetseite updaten, einen Newsletter schreiben und nebenbei alle akkubetriebenen Geräte laden konnten. Unser erster Zeltplatz in England war eine schöne Wiese hinter einem Gasthaus mit dem klangvollen Namen „The Castle“. Willkommen in England.

Anna hatte Recht

nach Sudbury/ E

Strecke52 kmHöhenmeter359 mZeit3:34 hØ14,45 km/h

Dem Westwind sind wir leider nicht entkommen und wie Anna schon im Newsletter bemerkt hat, kommen jetzt zum Gegenwind auch noch deutlich mehr Höhenmeter. Ich fürchte, das Brennen in meinen Oberschenkeln werde ich wohl nicht so schnell los. Auch holt uns jetzt die harte Straßenrealität ein. In Deutschland und Holland sind wir sehr verwöhnt worden mit Radwegen oder kleinen Nebenstraßen, wo man kaum einem Auto begegnete. Hier gibt es leider keine Radwege, außer in den größeren Städten. Es gibt weniger Straßen, die teilweise sehr eng sind und mit deutlich mehr Verkehr. Zum Glück sind die Briten bisher eher rücksichtsvoll mit uns, entgegen dem, was wir bisher so gehört hatten.

Ein harter Tag

nach Cambridge/ E

Strecke65 kmHöhenmeter423 mZeit3:59 hØ16,23 km/h

Heute hatten wir alles. Sehr wechselhaftes Wetter mit immer wieder sehr starken Schauern, Gegenwind (ich wiederhole mich nur ungern), einen neuen Höhenmeter-Rekord, große und sehr stark befahrene Straßen, die uns das Fürchten lehrten oder anders gesagt, wir waren fix und fertig, als wir in Cambridge ankamen. Heute waren wir auch nicht böse, dass wir nicht zelten mussten, da es weiterhin immer wieder regnete und unsere Sachen schon vom Vortag nass waren. Katrin, eine Schulfreundin von Anna, nahm uns bei sich auf. Mit all dem Komfort, den ein Haus bietet. Weil es so schön ist, werden wir auch 2 Tage hierbleiben, uns erholen und uns Cambridge und London anschauen.

Der Computer sagte: „Nein“

nach Wittlesey/ E

Strecke104 kmHöhenmeter512 mZeit6:30 hØ15,99 km/hWindG 3-4Kalorien3371 Kcal

Gegen 19:00 Uhr und 83 zurückgelegten Kilometern erreichten wir unseren anvisierten Zeltplatz. Nichts Böses ahnend, fragten wir nach einem Platz, worauf wir uns anhören mussten, dass der Computer sagt: „Es gibt keine verfügbaren Plätze mehr“, obwohl schon von außen noch jede Menge freier Platz zu erkennen war. Dazu muss man sagen, es ist inzwischen üblich (auch in Deutschland), dass ein Campingplatz zu 80-90% für Caravans reserviert ist und nur 10-20% für Zelte zur Verfügung steht auf einem meist extra Platz. In England scheint dazuzukommen, dass festgelegt wird, wie viele Zelte maximal auf so einer Zeltwiese stehen dürfen. Wenn diese Zahl erreicht ist, gilt die Wiese als voll, egal ob noch Platz ist oder nicht. Auf den Caravan-Plätzen darf kein Zelt hingestellt werden, auch wenn alle Plätze frei wären. Das haben wir so noch in keinem anderen Land erlebt und verstehen es in keinster Weise! Zum Glück war ein anderer Platz nicht allzu weit weg (nur 20 km), den wir glücklich und ohne abgewiesen zu werden gegen 21.00 Uhr erreichten.

Route 63

nach Greetham/ E

Strecke57 kmHöhenmeter428 mZeit3:59 hØ14,25 km/hWindG 1-2

Heute folgten wir der Nationalen Fahrradroute Nr. 63, auf die wir zufällig in Peterborough stießen und die unsere Richtung hatte. Auf relativ ruhigen Nebenstraßen ging es Richtung Nottingham. Nach dem gestrigen Tag und einer relativ späten Startzeit kam es uns gelegen, dass der nächste Campingplatz nur 50 km entfernt war. So blieb noch etwas Zeit, uns Peterborough anzuschauen und relativ entspannt Greetham zu erreichen. Der englische Rasen ist tadellos. Auch sonst wirkt alles sehr ordentlich und durchstrukturiert. In England gehört fast jeder Quadratmeter Land irgendjemandem und ist entsprechend geschützt mit Hecken, Zäunen oder Mauern. So ist es auch nicht möglich, wie bei uns, Feldwege zu benutzen, um den öffentlichen Straßen zu entkommen. Einzig gibt es immer wieder sogenannte „Public Footpath“, die Fußgängern erlauben, gewisse Trampelpfade zu benutzen, welche aber fürs Radfahren völlig ungeeignet sind.

England, eine echte Herausforderung

nach Golden Valley/ E

Strecke86 kmHöhenmeter830 mZeit6:02 hØ14,28 km/hWindG 2Str. Bergauf18,3 kmKalorien3111 Kcal

Über Wind wollen wir gar nicht mehr reden, dafür haben wir jetzt eine eigene Windskala festgelegt (siehe links). G steht für Gegenwind, S für Seitenwind, die Stärke reicht im Moment von 1-5 (1=schwach; 5= sehr stark). R würde für Rückenwind stehen, wir glauben aber nicht, dass wir diesen Buchstaben oft benutzen müssen. Obwohl unsere Leistungskurve stark ansteigend ist, steigen die Herausforderungen noch stärker. So hat heute nicht viel gefehlt, dass wir am Ende des Tages einfach vom Rad gefallen wären (siehe gefahrene Höhenmeter), wenn wir nicht zufällig 20 km vor unserem eigentlichen Ziel beim Einkaufen von freundlichen Engländern auf einen Zeltplatz in ihrer Stadt aufmerksam gemacht worden wären. Der edle Platz kostet zwar 20 Pfund pro Nacht (ca. 25,- Euro), aber das war uns heute auch egal. Wir bleiben sogar 2 Nächte, weil unser Körper dringend Erholung braucht. Nun könnte man natürlich sagen, warum nehmen wir uns auch so viel vor. Maßgebend dafür ist unser Campingplatzführer, der den nächstgelegenen Platz erst in 100 km auswies. Zelten irgendwo auf einer Wiese ist hier nicht so einfach, weil alles Privatbesitz ist.

Sehr abwechslungsreich

nach Buxton/ E

Strecke61 kmHöhenmeter997 mZeit4:56 hØ12,42 km/hWindG,S,R 3-5Str. Bergauf16,6 km

Wieder ein sehr sportlicher Tag. Jedes Mal, wenn wir denken, jetzt kann es doch nicht mehr so viel härter werden, so zeigt uns England doch es geht noch härter. So begann der Tag damit, dass wir bereits auf den ersten 30 km 600 Höhenmeter zu überwinden hatten. Die Anstiege werden auch immer steiler und zwingen uns teilweise zum Absteigen und Schieben oder wir kommen mit hochrotem Kopf und völlig außer Atem oben an. Dafür werden wir aber inzwischen mit wunderschönen Ausblicken auf eine herrliche hügelige Landschaft mit vielen Wiesen, Schafen und Kühen belohnt. Auch durften wir heute einen echten „Luxus-Weg“ fahren. Extra angelegt für Wanderer, Reiter und Radfahrer mit begradigtem Höhenverlauf!!!, das heißt, auf den 15 km hat der Weg keinen einzigen Meter nach oben oder unten gemacht und regelmäßig stehen schöne Bänke und Tische bereit. Hat eigentlich nur noch der Eisverkäufer am Rand gefehlt ;-). Danach ging es weiter fleißig bergauf und -ab. Am Ende haben wir die 1000 Höhenmeter an einem Tag nur knapp verfehlt und waren wieder mal am Ende unserer Kräfte, aber zufrieden.

Fahrradroute Nr. 68

nach Crowden/ E

Strecke52 kmHöhenmeter958 mZeit4:40 hØ11,04 km/hWindS 1Str. Bergauf15,6 km

Seit gestern folgen wir der Nationalen Fahrradroute Nr. 68 in der Hoffnung, dass diese uns fahrradfreundlich durch diese wunderbare Landschaft bringt, mit ihren sanften Hügeln und ihren von grauen Steinmauern begrenzten Feldern und Wiesen. Positiv ist auf jeden Fall, dass die Route meist über kleinere Nebenstraßen mit wenig Verkehr führt. Dafür müssen aber immer öfter Anstiege in Kauf genommen werden, die mit einem Reiserad nur schwer fahrend zu bewältigen sind. Auch Wegstücke, die eher einem Bachbett ähneln als einem Weg, sind schon mal mit dabei. Auch hier ist Schieben angesagt. Wir bewegen uns aktuell absolut an unserer Leistungsgrenze. Hier müssen wir eindeutig umdenken, uns Zeit lassen und wenn aufgrund der Schwierigkeiten weniger Wegstrecke am Tag möglich ist, dann ist es eben so. So waren wir gestern schon nach 30 km auf der Suche nach einem Campingplatz, da unsere Kräfte langsam, aber sicher nachließen. Nach weiteren 20km kamen wir müde an einem schön gelegenen Zeltplatz an. Wir waren stolz auf unsere Leistung.

13 Grad

nach Leeds/ E

Strecke35 kmHöhenmeter683 mZeit3:28 hØ10,21 km/hWind0Str. Bergauf10,7 km

Wetter: Regen 3-4,

Radwandern

Es geht noch mehr. Unser Weg begann sehr schön und führte die ersten Kilometer an einem Stausee entlang. Dann hörte der Spaß leider auf. Der Weg war für Wanderer, Reiter und Radfahrer ausgelegt. Bei Radfahrern hat aber wohl keiner an Reiseradler gedacht. Der Weg nahm doch ordentlich an Wanderqualität zu und wäre auch ganz schön gewesen, wenn da mal nicht unsere schweren Räder gewesen wären. Zu zweit jedes Rad einzeln schiebend, ging es die nächsten Kilometer bergauf, abgelöst von kurzen fahrbaren Bergabstücken. Dazu kam ein sehr abkühlender und starker Regen. Na, wenigstens hatten wir heute mal keinen Gegenwind. Unsere Laune war trotzdem am Boden. Auch sind wir unter den Bedingungen nach 30 km bereits am Ende unserer Kräfte. Von Huddersfield fuhren wir deswegen mit dem Zug erstmal nach Leeds, wo wir uns auch zum ersten Mal ein Hotel suchten und aufs Campen verzichteten. Dort breiteten wir alles zum Trocknen aus. Ein besonderer Luxus war, wir konnten die Räder mit aufs Zimmer nehmen.

Die Bahn machts möglich

nach Dent/ E

Strecke8,6 kmZeit0:39 h

Wetter: Anfangs Regen, dann relativ schön

Weiter ging es von Leeds mit dem Zug nach Dent in den Yorkshire Dales Nationalpark. Herrlich nach 2h Zugfahrt sah die Welt gleich wieder ganz anders aus. Hatte es in Leeds noch geregnet, schien in Dent die Sonne und der Zug hielt direkt oberhalb des wunder- schönen Dentdale an einem postkartenreifen kleinen Bahnhof. Von dort konnten wir direkt ins Tal abfahren mit ca. 40 Sachen (und das schon gebremst ;-)), um 8 km weiter in dem niedlichen Ort Dent einen Zeltplatz auf einer Farm zu finden. Da wir unser Glück nicht strapazieren wollten, bauten wir auch gleich unser Zelt auf und genossen den Rest des Tages mit Nichtstun.

Sehr schön - Teil 1

nach Hawkshead/ E

Strecke48 kmHöhenmeter779 mZeit3:42 hØ13,21 km/hWind0Str. Bergauf11,8 km

Wetter: Heiter, Sonnig, 17-20 Grad

Von Dent folgten wir noch ein Stück der Route 68 nach Kendal. Auch wenn wir gern noch mehr vom Yorkshire Dales Nationalpark gesehen hätten, mussten wir uns zwischen diesem und dem Lake District entscheiden. Von Kendal ging es direkt nach Windermere, dem Tor zum Lake District. Zwei Sachen treffen hier aufeinander, die man sonst so sehr selten in England sieht, Wald und Seen. Die Wälder haben die Briten in frühen Jahren fast vollständig gerodet, so dass Großbritannien heute nur noch zu 10% mit Wald bedeckt ist. So gehört dieses Gebiet mit zu den schönsten, die England zu bieten hat. Entsprechend beliebt ist es auch. Die vielen kleinen Orte sind sehr touristisch ausgelegt. Unser Zeltplatz war auch stark bevölkert und gehörte leider nicht zu den schönsten.

Sehr schön - Teil 2

nach Keswick/ E

Strecke41 kmHöhenmeter611 mZeit3:19 hØ12,42 km/hWind0Str. Bergauf9,8 km

Wetter: Heiter, Sonnig, 18-22 Grad

Der zweite Tag ohne Regen. England verwöhnt uns jetzt aber richtig. Der Lake District zeigt sich von seiner schönsten Seite. Kleine Berge und kleine Seen umgeben von Wald ergeben ein phantastisches Bild. Zum Wandern ist dieses Gebiet ideal, aber auch wir als Radfahrer kommen nicht zu kurz. Auffallend ist nur, dass wir immer wieder sehr ungläubig angeschaut werden. Viele Reiseradler scheint es hier wirklich nicht zu geben. Wir sind teilweise eine kleine Attraktion und werden unauffällig fotografiert. Wer hätte das gedacht. In Keswick haben wir auch den Zeltplatz mit dem besten Ausblick gefunden. Unser Zelt steht direkt am See, der von Bergen umgeben ist. Auch die hiesige Tierwelt interessiert sich für uns, so stehen auch schon mal ein paar Enten oder Gänse direkt vor dem Zelt.

R3 mit Böen R5!

nach Edinburgh/ SCO

Strecke55 kmHöhenmeter792 mZeit4:22 hØ12,61 km/hWindR3, Böen R5Str. Bergauf13,3 km

Wetter: Heiter, Sonnig, 12-18 Grad

Die Nacht war sehr stürmisch und regnerisch, die Böen rüttelten ordentlich an unserem Zelt und wir fürchteten schon, dass es am Tage so weitergeht. Als 6.30 Uhr der Wecker klingelte, trauten wir uns kaum aus dem Zelt. Wir wollten aber heute unbedingt weiter und so fingen wir an, unsere Sachen zusammenzupacken. 2 Stunden später war der Regen vorbei, nur der Wind blies immer noch kräftig aus Westen, was normalerweise Gegenwind bedeutet, wenn uns nicht unser Weg ausnahmsweise heute nach Osten geführt hätte. Ha, ha, ha, wir haben dem Wind ein Schnippchen geschlagen, da machten uns doch die 300 Höhenmeter auf den ersten 12 km fast nichts mehr aus. Wir folgten einer der beliebtesten Radrouten in England, dem Coast to Coast (C2C) nach Penrith und tatsächlich zum ersten Mal begegneten uns mehrere Radler mit zumindest leichtem Gepäck. Von Penrith nahmen wir wieder mal den Zug und fuhren in die Hauptstadt Schottlands, Edinburgh.

Keine Höhenmeter!

nach Glasgow/ SCO

Strecke55 kmHöhenmeter144 mZeit3:58 hØ13,86 km/hWind0

Wetter: Blauer Himmel, Sonne pur, 18-22 Grad

Von Edinburgh nach Glasgow gibt es den Union Canal, an dem uns unser Weg direkt entlangführte. So hatten wir eine völlig eben verlaufende Strecke und ein fantastisches Wetter. In der Ferne konnten wir teilweise schon die Highlands erkennen. Glasgow empfing uns sehr offen und freundlich. Glasgow und Edinburgh sind beide sehenswerte, aber auch sehr unterschiedliche Städte. Bei dem kleinen Einblick, den wir in beide Städte bekommen haben, hat uns Glasgow etwas besser gefallen. Die Stadt ist offener gestaltet mit großen Plätzen und breiteren Straßen. Auch war die Stadt nicht so überfüllt wie Edinburgh. Von Glasgow werden wir mit dem Zug nach Fort William fahren, wo wir einige Tage Urlaub machen wollen und nicht Rad fahren. Unsere Körper brauchen eine längere Erholungsphase vom Radfahren.

Zugfahrt nach Fort William

nach Fort William/ SCO

Auch mal schön nicht aus eigener Kraft zu fahren. Der Zug fuhr auf einer landschaftlich wundervollen Strecke vorbei an Hügeln, Bergen und Fjorden von Glasgow nach Fort William in die Highlands. Eigentlich hätten wir für unsere Räder einen Platz im Zug reservieren müssen, aber wir hatten Glück und wurden auch so mitgenommen. Fort William ist ein niedliches kleines Städtchen mit einer Einkaufsstraße, mit allem, was man so braucht. Wir schlugen unser Zelt auf einem sehr schön gelegenen Zeltplatz auf, mitten im Glen (Tal) Nevis am Fuße des höchsten Berges von Großbritannien.

Momente der Glückseligkeit

nach Appin/ SCO

Strecke57 kmHöhenmeter445 mZeit3:39 hØ15,54 km/hWindR3

Wetter: Wechselhaft, 18-24 Grad

Auch wenn der Tag erstmal auf einer viel befahrenen großen Straße begann, zeigte sich unser Weg doch bald von seiner schönsten Seite. Rückenwind und ein relativ ebener Straßenverlauf (he he, vor 3 Wochen hätten wir das bestimmt noch nicht geschrieben bei 445 Höhenmetern ;-)) mit immer wieder sehr reizvollen Ausblicken auf den Loch Linnhe und die darumliegenden Berge. Kurze autofreie Wege direkt entlang des Wassers machten uns rundum glücklich. Als krönender Abschluss fuhren wir am Ende noch an einem Traumwald vorbei, wo auch direkt ein Campingplatz war. Schnell stellten wir unser Zelt auf und machten noch einen kleinen Spaziergang durch den ersten richtigen Wald mit sehr großen, uralten, mit Moos überzogenen Bäumen, seit wir Deutschland verlassen haben.

Route 78

nach Taynuilt/ SCO

Strecke47 kmHöhenmeter578 mZeit3:41 hØ12,77 km/hWindR3, G3

Wetter: Wechselhaft, 13-22 Grad

Nach einem kurzen Stück autofreiem Weg mussten wir leider wieder der Hauptstraße bis Oban folgen. Dort bogen wir wieder mal auf eine Nationale Fahrradroute Nummer 78 ab. Wie gewohnt, führen diese Routen meist auf verkehrsarmen Nebenstraßen durch die landschaftlich interessantesten Gebiete. Dafür nimmt man dann doch auch gerne ein paar Höhenmeter mehr in Kauf. So ging es erstmal bergauf, um dann einem kleinen Fluss durch die inzwischen etwas niedrigeren Highlands zu folgen. Der Weg führte durch ein leicht hügeliges Hochtal mit wunderschönen freistehenden alten Bäumen, die ihre Äste in jede Richtung ausbreiten konnten. Saftige Wiesen und Wälder am Rande der Berge bilden eine wundervolle Landschaft. Ich kann nur auf unsere Bilder verweisen, die einen guten Eindruck vermitteln. Heute durften wir auch unser Zelt auf der Wiese eines Gartencenters aufschlagen, da es unseren Zeltplatz schon seit längerem nicht mehr gab.

Wildcamp

nach Loch Awe/ SCO

Strecke40 kmHöhenmeter790 mZeit3:04 hØ12,93 km/hWindG1

Wetter: sehr sonnig, 15-25 Grad

Heute erreichte unser Weg doch fast Englandniveau. 200 Höhenmeter auf 10km und immer wieder knackige Anstiege von 10 und mehr Prozent machten uns doch ordentlich zu schaffen. Bis 6 Prozent können wir inzwischen ganz gut radeln, spätestens ab 10 Prozent tut es nur noch weh. Nach 40 km erreichten wir fast das Ende des Loch Awe (dem größten Inland-Loch) und Anna hatte das Auge für unseren bisher schönsten Schlafplatz. Eine kleine vorstehende Landzunge, leicht erhoben und mit einem kleinen Platz zwischen 2 schönen Eichen und einem atemberaubenden Blick auf den Loch Awe und seine Umgebung. Dazu Sonnenschein, leichter Wind, der die Midges fernhielt und die Taschen voller Essen, weil wir am Vorabend doch auch noch etwas zu essen vom Gartencenter bekommen hatten, Herz was willst du mehr. Auch hier wieder Momente der Glückseligkeit.

Direkt am Meer

nach Port Ban/ SCO

Strecke58 kmHöhenmeter524 mZeit3:55 hØ14,79 km/hWindG2

Wetter: Sonnig, 15-25 Grad

Die ersten 40 km rollten wir fast eben dahin. Schottland ist extrem abwechslungsreich. Manche behaupten, Gott habe die ganze Welt in Schottland noch mal erschaffen. Auch wenn das vielleicht nicht ganz hinkommt, so findet man doch hier viele Landschaftsformen der Nordhälfte wieder. Bisher ist Norwegen ja unser Lieblingsland und somit vergleichen wir oft die Landschaft hier mit der von Norwegen und ja Schottland kommt schon sehr dicht ran an die landschaftliche Schönheit von Norwegen. Es lohnt sich auch mal einen Bogen der Küste mitzunehmen, auch wenn dies meistens nicht der direkte Weg ist. Die Straßen sind kleiner und fast autofrei, die Landschaft einsam, die wenigen Menschen, die man trifft, sind sehr freundlich und grüßen uns beim Vorbeifahren. Die wenigen Häuser sind sehr ursprünglich. Manche sehen aus wie kleine Castles. Unser Zelt steht diesmal direkt am Meer (nur ca. 10 m entfernt). Beim Rauschen der Wellen, relativ milden Temperaturen und einer tollen Aussicht auf die Inseln Jura und Islay erholen wir uns einen Tag.

Smithy Cottage

nach Lochranza/ SCO

Strecke47 kmHöhenmeter687 mZeit3:10 hØ14,92 km/hWindR1

Wetter: Wechselhaft, 14-22 Grad

Während des morgendlichen Zusammenpackens hielt an unserem Zelt das Auto, das wir schon die zwei Tage zuvor oft gesehen hatten. Ein älteres schottisches Ehepaar winkte uns zu. Nach einem kurzen Gespräch nach dem Woher und Wohin und dem Wielange luden sie uns zu sich in ihr Cottage ein. Dort machten wir auch nach ca. 3 km Stopp und besuchten die Zwei. Das war sehr schön. Danach fuhren wir weiter an der Küste entlang und konnten noch wunderschöne Ausblicke auf den Atlantik bzw. seine Buchten genießen. Zwischendurch regnete es immer mal wieder und wir kamen uns ein bisschen vor wie im tropischen Regenwald. Große Farne, moosbewachsene knubbelige Bäume, saftiges Grün, feuchte Luft, glucksende Bäche beschreiben die Landschaft, durch die wir fuhren. Nach einem saftigen Anstieg und einer erholsamen Abfahrt standen wir an der Fähre, die uns auf die Insel Arran in den Ort Lochranza bringen sollte. Dort fanden wir überraschenderweise einen Zeltplatz und drei weitere Backpacker.

Schnipseljagd auf dem Weg nach Irland

nach Larne/ N Irl

Strecke55 kmHöhenmeter428 mZeit3:41 hØ14,81 km/hWindR1

Wetter: Wechselhaft, 14-22 Grad

Nach einem längeren Anstieg und einer sehr schönen berauschenden Abfahrt waren wir schon in dem 20 km entfernten Brodick, wo unsere nächste Fähre nach Ardrossan auf uns wartete. Von da aus ging es weiter per Schnipseljagd Richtung Troon. Der Weg dorthin führte im Zickzack und aller paar Meter die Richtung ändernd durch das Stadtgebiet, vorbei an Industrieanlagen, durch Golfplätze und kurze Grünstreifen sowie über und unter vielen Straßen und Eisenbahnlinien entlang, immer schön markiert mit kleinen blauen Aufklebern, die die Richtungsänderungen anzeigten. Von Troon aus ging unsere Fähre 20.20 Uhr nach Larne in Irland. Auf der Überfahrt lernten wir noch einen sehr netten Iren kennen, der sofort, als wir ihn nach einem Campingplatz in Larne fragten, einen dort wohnenden Freund anrief. Dieser holte uns von der Fähre ab und führte uns zum Zeltplatz. Das war unglaublich nett. Wir staunten nicht schlecht über die Freundlichkeit der beiden. Vielen Dank!

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