Ideen
Nach verschiedenen Ideen für unseren Sommerurlaub 2009 haben wir uns für eine 4-wöchige Radtour entschieden, obwohl ich anfangs von dieser Idee überhaupt nicht begeistert war.
Unsere Zwischenberichte von der ersten Idee bis zur Rückkehr.
Nach verschiedenen Ideen für unseren Sommerurlaub 2009 haben wir uns für eine 4-wöchige Radtour entschieden, obwohl ich anfangs von dieser Idee überhaupt nicht begeistert war.
4-wöchige Radtour von Rostock nach Tallinn.
Erste Gedanken über eine längere Radreise.
Der Gedanke auszusteigen ist wieder da und so stark wie nie zuvor. Ein Artikel in der aktuellen Trekkingbike über ein Paar, welches schon seit 1,5 Jahren unterwegs ist, könnte den letzten Anstoß gegeben haben. Unsere Idee bekommt einen Namen AHNE1. A= Ausstieg, H= Hoffnung, N= Neuanfang, E= Erfahrung und 1= 1 Jahr.
Die Familie und Freunde werden in unser Vorhaben eingeweiht. Die Reaktionen darauf sind natürlich sehr unterschiedlich und reichen von sofortiger ehrlicher Begeisterung bis hin zu ungläubigen Äußerungen, wie „Das ist doch nicht euer Ernst?!“.
Die Vorbereitungen laufen langsam an. Die meisten Kündigungen sind geschrieben, die Packliste ist überarbeitet. Die größte Sorge ist noch, wohin mit unserem ganzen Hausrat?
Anna konnte endlich ihr neues Rad abholen. Nach 2 Monaten Wartezeit war die Freude entsprechend groß. Unsere Räder sind also fit für die Tour, was wir von uns leider noch nicht behaupten können.
Ab heute sind wir mit unserer Internetseite online. Die Seite wird sich aber in den nächsten Wochen noch einige Male ändern.
Kaum zu glauben aber als ich heute mein Rad aus dem Keller holte, musste ich doch hören, dass vor 2 Wochen im Keller eingebrochen wurde und mehrere Räder verschwunden sind. Ab jetzt stehen unsere Räder in der Wohnung, da stehen sie eh viel besser, wenn nur nicht das Hochtragen in den 5. Stock wäre ;-).
So viel war es leider nicht...
In den letzten 2 Wochen sind wir zwar so gut wie nicht zum Radfahren gekommen, dafür haben wir aber unsere Ausrüstungsliste vervollständigen können. Unter anderem mit einem sehr wichtigen Gegenstand, der jeden Tag ca. 8-9 h zum Einsatz kommt, zwei Kopfkissen ;-). Ein Softchair und eine Hängematte sollen uns die Stunden versüßen, die wir nicht auf dem Rad sitzen oder auf unseren Kopfkissen liegen.
Nur noch 3 Wochen bis zum Start. Jetzt wird es langsam ernst. In dieser Zeit müssen wir noch unsere Wohnung ausräumen, die letzten Sachen für die Tour besorgen und unsere Räder bepacken. Dann werden wir sehen, ob wir auch alles auf unsere Räder drauf bekommen, was wir im Moment so mitnehmen wollen. Zum Radfahren werden wir nicht mehr viel kommen in dieser Zeit, was vielleicht auch besser so ist. Beim letzten Versuch, eine kleine Runde zu radeln, ist mir doch Anna vor lauter Übermut ins Rad gefahren und hat mir eine Speiche rausgebrochen. Stattdessen werden wir die Zeit nutzen, uns von Familie und Freunden zu verabschieden.
Es geht los! Ganz werden wir den 12.07 nicht halten können, aber auf 1 oder 2 Tage kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an. Die Wohnung ist fast leer, nur unsere Räder und eine Menge Sachen, die wir mitnehmen wollen, stehen noch rum. Wir haben ja inzwischen leichte Zweifel, dass alles ans Rad passt, um dafür noch keine Bestätigung zu bekommen, schieben wir die Probebepackung noch etwas vor uns her. Ich hoffe, ich kann Anna doch noch überzeugen einen Anhänger bei sich dran zu machen ;-)))...
Das soll das letzte Update von zu Hause sein. Wenn alles nach Plan läuft, könnt ihr spätestens in einer Woche hier unsere ersten Berichte lesen.
Es geht noch nicht los. Am Wochenende haben mich starke Schmerzen im Knie außer Gefecht gesetzt. Statt loszufahren, heißt es jetzt noch einige Arztbesuche zu machen. Ein MRT wird am Donnerstag Klarheit bringen. Wir sind aber optimistisch, dass wir nächste Woche endlich starten können.
Nach Monaten der Vorbereitungen und Wochen der Schlepperei sind wir heute nun gestartet. Wir lassen viel zurück, um uns diesen Traum zu erfüllen, für eine gewisse Zeit möglichst frei und ungebunden zu sein. Wir möchten allen danken, die uns in unserem Vorhaben bestärkt und uns bei der Vorbereitung geholfen haben.
Ein erstes kleines Ziel haben wir erreicht. Wir sind in Hamburg. In den ersten 2 Wochen haben wir 570 km zurückgelegt, stark unsere Fitness verbessert und uns an den neuen Tagesablauf gewöhnt. In Hamburg werden wir letzte kleine Optimierungen an unserer Ausrüstung vornehmen, dann sind wir bereit nächste Woche Deutschland zu verlassen. Wann wir zurückkommen, wissen wir nicht. Wir sind uns aber sicher, dass wir uns wiedersehen...
Schön waren die ersten 3 Wochen, die wir durch Deutschland gefahren sind entlang der Elbe und der Nordsee. Unser Weg führte uns durch die Dübener Heide, Elbauen und Lüneburger Heide, sowie durch sehr schöne ländliche Gegenden. Kein Stress, wenig Menschen und wenig Autoverkehr waren eine Erholung für unsere Stadtseelen. Den Niederlanden haben wir nur einen relativ kurzen Besuch abgestattet. Schade eigentlich, wo die Niederlande doch das Land der Radfahrer schlechthin ist. Aber viel Gegenwind und der Wunsch relativ schnell nach Großbritannien zu kommen, hat uns dazu bewegt, ein wenig abzukürzen. Wir haben uns kurzfristig entschlossen, die erste Fähre Richtung England zu nehmen und nicht bis Calais zu fahren. So bleibt uns mehr Zeit für GB und Irland, was uns mehr reizt. Abgesehen davon hoffen wir dort endlich den lästigen Westwind loszuwerden. Tagesberichte
2 1/2 Wochen England waren für uns eine harte Schule. Ein ständiges Auf und Ab mit Anstiegen von häufig 10 bis 15 % und teilweise auch mehr, haben uns körperlich an unsere Grenzen gebracht. Aber nicht nur die Anstiege, sondern auch der so oft genannte englische Sommer hat uns abgehärtet. Der Sommer kommt einem hier so vor, wie bei uns ein kühler April, nur dass die Wetterwechsel im Zeitraffer ablaufen. Beides hat uns dazu gebracht, im Moment Zug- und Radfahren zu kombinieren, um uns zu erholen oder vor dem Wetter zu flüchten. Als Nächstes werden wir in die Highlands fahren, auf die wir schon sehr gespannt sind. Tagesberichte
Schottland hat uns alles geboten, was wir uns wünschen. Eine grandiose und sehr abwechslungsreiche Landschaft, freundliche Menschen, einsame Gegenden und sehr schöne Wege haben uns viele Momente der Glückseligkeit beschert. Vieles nehmen wir inzwischen leichter und lernen langsam die Sachen so zu nehmen, wie sie sind.
Die nächste Fähre ist gebucht, am 9.10 werden wir von Cork nach Roscoff in die Bretagne fahren. Irland war ein Kontrastprogramm. Erwartet hatten wir viele grüne Wiesen mit Schafen und Kühen. Die haben wir auch bekommen, aber darüber hinaus auch noch atemberaubende Steilküsten, Traumbuchten und -strände, wild zerklüftete Küstenabschnitte, bergige Gebiete und ein extrem abwechslungsreiches Wetter mit Sturm, viel Regen, Regenbögen in jeder Größe, Wolken in allen Arten und ein Wechselspiel aus Sonne und Schatten. Tagesberichte
Frankreich bot zwar nicht die großen landschaftlichen Highlights, aber dafür war es sehr beschaulich und ruhig. In keinem anderen Land hatten wir bisher so wenig Verkehr auf den Nebenstraßen und haben so wenig Menschen gesehen wie hier. Ganze Landstriche und Orte wirkten oft wie ausgestorben. Wir haben diese Ruhe sehr genossen. Landschaftlich hat uns besonders die Küstenregion in Aquitanien gefallen mit ihren endlos scheinenden Traumstränden, einer wilden Dünenlandschaft und kilometerlangen Kiefernwäldern. Tagesberichte
Wir sind in Santiago de Compostela angekommen. Der Jakobsweg war und ist ein besonderer Weg. Wir sind sehr neutral an den Weg herangegangen und wollten den Weg mehr als Mittel zum Zweck benutzen. Der Weg hat uns aber eines Besseren belehrt. Keine Strecke hat uns bisher so unsere Schwächen und Stärken gezeigt, wie dieser. Wir hatten wunderbare Abende und haben sehr tolle und interessante Menschen kennengelernt. Die Atmosphäre in den Refugios ist schon etwas Besonderes, wenn auch teilweise etwas gewöhnungsbedürftig. Wir können uns gut vorstellen, den Weg eines Tages noch einmal aber dann zu Fuß zu machen.
Portugal zeigte sich uns nicht gleich von der schönsten Seite. In den ersten 3 Tagen haben wir kein einziges Bild gemacht. Das gab es noch nie und wir waren schon drauf und dran Portugal abzuhaken, aber zum Glück haben wir es nicht getan. Wenn wir das Land mit einem Wort beschreiben sollten, dann mit Grün. Selbst im dichtbesiedelten Norden sind überall Bäume und verschiedenste Pflanzen zu sehen. Die Berge sind dicht bewaldet und zeigen sich oft von einer sehr natürlichen Seite. Die Küstenlandschaft im Südwesten ist wild, steil, rau und nur sehr schwer zugänglich. Am Ende hat uns Portugal so begeistert, dass uns der Abschied sehr schwer fiel und wir auf jeden Fall schnellstmöglich wiederkommen wollen.
Die Kanaren waren eine absolute Bereicherung, auch wenn wir mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Für Individualreisende sind die Inseln nicht gerade ideal, schon gar nicht mit Rad. Alle Inseln sind verschieden und haben ihre Besonderheiten und einzigartig schöne Landschaften, trotz des Massentourismus, der meist nicht zu übersehen ist. Das Radfahren war oft frustrierend. Zu hart, zu steil oder zu windig waren die Inseln für uns zum Radeln. So mussten wir das Rad teilweise stehen lassen und die Inseln per Auto, Bus und/oder zu Fuß erkunden. Dabei haben wir aber gemerkt, dass die Fortbewegung mit dem Rad für uns die Schönste ist. Tagesberichte
Über 3 Monate waren wir in Spanien. Sehr unterschiedlich haben wir das Land kennengelernt. Von Valencia radelten wir vorwiegend an der Mittelmeerküste entlang Richtung Frankreich. Bis auf die kleinen Naturparks ist die Küste stark zugebaut und bietet das inzwischen so typische Küstenbild mit vielen derzeit unbewohnten Apartmentanlagen und endlosen Strandpromenaden. Nicht unbedingt unser Geschmack. Natürlich haben wir auch viele schöne Ecken gesehen und sobald man die Küste verlässt, bietet sich ein ganz anderes Bild im Inland. Liebliche Hügel- und Gebirgslandschaften mit kleineren und belebten Orten. Tagesberichte
Auch beim zweiten Besuch sind wir hin und weg von Frankreich. Frankreich bietet schon einiges. Die Alpen, die Pyrenäen, das Zentralmassiv, Küsten am Atlantik und am Mittelmeer, viele kleine charmante Dörfer und Städtchen, die meisten und schönsten Campingplätze, freundliche und radbegeisterte Menschen und ein engmaschiges Straßennetz. Man könnte fast ein bisschen neidisch werden auf die Nachbarn. Spanien und Frankreich haben uns wieder mal gezeigt, wie schön das Radfahren in Europa sein kann und so wollen wir auch noch mehr der europäischen Länder per Rad kennenlernen. Tagesberichte
Die Alpen waren weniger anstrengend als erwartet. Langgezogene Flusstäler mit wenig oder kaum spürbarem Auf und Ab brachten uns sehr angenehm hindurch. Die großen Pässe in der Schweiz waren alle noch geschlossen, so dass wir diese bequem mit dem Zug unter- oder überfahren mussten. Einen konnten wir zumindest bis 2064 m beradeln, bevor uns Schnee auf der Straße zum Umkehren zwang. In Österreich konnten wir unsere Kräfte an drei kleineren Pässen messen. In jedem Tal gab es einen sehr gut ausgeschilderten Radweg, der uns über kleine Straßen und Wege abwechslungsreich durch die Täler führte. Alles sehr schön aber das nächste Mal werden wir wohl doch eher wieder zum Skifahren in die Alpen kommen. Tagesberichte
In der Slowakei hat fast jeder Gebirgszug seinen eigenen Namen. So sind wir durch das slowakische Erzgebirge, vorbei an der Niederen Tatra, durch das Slowakische Paradies und die Beskiden gefahren. Die steil aufragenden Gipfel der Hohen Tatra haben wir nur von Weitem gesehen. Die Menschen sind zurückhaltend freundlich. Besonders auf dem Land lebt man noch sehr traditionell und vieles wird mit Handarbeit gefertigt. Die Preise sind recht günstig. Selten sieht man neugebaute Häuser, viele haben einfach nur einen neuen Farbanstrich bekommen, aber auch viele verfallene und armselige Häuser lagen an unserem Weg. Die Ferienorte besitzen häufig noch den Charme sozialistischer Zeiten. Tagesberichte
Schon vor 2 Jahren hat uns Polen sehr positiv überrascht. Das Land ist herrlich unkompliziert. Die Menschen sind freundlich und offen. Kommt man sprachlich nicht auf einen gemeinsamen Nenner, bemüht man sich sehr mit Gesten und Zeigen, sich verständlich zu machen oder einem etwas zu erklären. Fast nichts ist ein Problem. Für alles gibt es eine Lösung. Die kleinen Orte, die Landschaft und teilweise auch die Wege sind noch sehr natürlich. Wir radelten durch ausgedehnte Wälder und Urwälder. Die touristische Erschließung steht noch in einem gesunden Verhältnis zur Natur. In fast jedem Dorf findet man einen kleinen Laden und die Preise sind generell sehr günstig. Schon wieder ein Land, in dem wir nicht das letzte Mal gewesen sein sollten. Tagesberichte
Alles in allem war Schweden eher etwas enttäuschend. Es war schön, aber es fehlte die Abwechslung. Die einzigen Highlights waren Stockholm, wobei wir da viel zu kurz waren, und das Stück Tundra auf dem Vildmarksvägen. Ansonsten haben wir vorwiegend rotbraune Holzhäuser, viele Seen und noch viel mehr Wald gesehen. Die Berge konnten wir nur von weitem sehen, weil es fast keine Straßen zu diesen gibt. Wir wollen nicht ausschließen, dass es punktuell Gebiete gibt, die von diesem Bild abweichen und durchaus ihren Reiz haben. Tagesberichte
3200 aufregende und intensive Kilometer haben wir in Norwegen zurückgelegt. Ein landschaftlich extremes Land. Jede Menge Berge in allen Formen, Farben (je nach Licht) und Größen. Wasser in jeder Form als Eis, Schnee, Bäche, Flüsse, Wasserfälle, Seen, Fjorde und das Meer. Das Ganze ist oft äußerst dramatisch arrangiert. Nicht nur die Landschaft ist grandios, auch die Menschen sind es. Sie begegnen einem offen und mit kleinen freundlichen Gesten und Geschenken, die an sich nichts Außergewöhnliches sind, aber uns schon so fremd vorkommen, weil es sie in großen Teilen von Europa schon fast nicht mehr gibt. Tagesberichte
Dänemark hat es uns nicht unbedingt leicht gemacht mit Sturm, Regen, Nebel, dicken Wolken und einer sehr hügeligen Landschaft. Nur die Aussicht, jeden Abend in einer dänischen Familie zu verbringen, hat uns die Laune nicht verdorben. Das Zelt werden wir wohl nicht mehr so oft brauchen. Wir genießen den häuslichen Komfort und nette Menschen um uns herum sehr. Tagesberichte
Die letzten Kilometer durch Deutschland sind von Wiedersehen und Vorfreude geprägt. Das Zelt haben wir nicht mehr gebraucht. Jeden Abend wurden wir von anderen lieben Menschen begrüßt und empfangen. So fällt es uns nicht so schwer, uns langsam von unserer Reise zu verabschieden. Es war selbst für uns eine unvorstellbare Zeit. Wir hatten im Prinzip keine Vorstellung, was uns erwarten würde und wie es uns dabei geht. Doch im Nachhinein betrachtet war es das Beste, was wir tun konnten. Auf dieser Seite haben wir versucht einen Einblick in solch eine Reise zu geben, auch wenn dies sicherlich nur zu einem Teil möglich ist. Wir bedanken uns bei allen, die uns mit ihrem Feedback immer wieder ermutigt haben, weiterzumachen. Eine Frage bleibt: „Wie geht es weiter?“. Wir wissen es nicht, aber auch das haben wir gelernt auf unserer Reise. Es kann sehr positiv sein, nicht genau zu wissen, was auf einen zukommt. Tagesberichte
Schon längst sollte hier stehen, wie es mit uns weiterging. Dass es erst jetzt passiert, hat einen einfachen Grund. Wir sind erst jetzt so richtig angekommen. Aber eins nach dem anderen.
Unser Empfang war herzlich und die Freude groß, unsere Lieben wiederzusehen. Sehr schnell kam aber auch die Ernüchterung und die Frage was jetzt? Wie soll es weitergehen? Mehr...