Toll im SattelMit dem Rad durch Europa 2010/2011
Etappen / Etappe 15: Norwegen

Etappe 15

Norwegen

Norwegen

Rückblick vom 10.09.2011

Norwegen - extrem, dramatisch, krass

3200 aufregende und intensive Kilometer haben wir in Norwegen zurückgelegt. Ein landschaftlich extremes Land. Jede Menge Berge in allen Formen, Farben (je nach Licht) und Größen. Wasser in jeder Form als Eis, Schnee, Bäche, Flüsse, Wasserfälle, Seen, Fjorde und das Meer. Das Ganze ist oft äußerst dramatisch arrangiert. Nicht nur die Landschaft ist grandios, auch die Menschen sind es. Sie begegnen einem offen und mit kleinen freundlichen Gesten und Geschenken, die an sich nichts Außergewöhnliches sind, aber uns schon so fremd vorkommen, weil es sie in großen Teilen von Europa schon fast nicht mehr gibt. Tagesberichte

Mitternachtssonne

nach Alta/ N

Strecke182 kmHöhenmeter1126 mØ21,1 km/hWindR 1-3

Wir setzen noch einen drauf

Der Tag riecht schon am Morgen nach neuen Rekorden. 6.00 Uhr halten wir es nicht mehr im Zelt aus. Es ist zu warm. Die Sonne scheint schon seit Stunden aufs Zelt. Die zahllosen Mücken und Fliegen trommeln im Vorraum. Es hört sich ein bisschen so an, als wenn es leicht regnen würde. Wir frühstücken und packen so schnell es geht zusammen. 8.30 Uhr sitzen wir bereits auf dem Rad. Kein Bestwert aber das kam bisher nur sehr selten vor. Nach 10 km überfahren wir die Grenze nach Norwegen. Die erhoffte große Landschaftsbildveränderung bleibt aus. Die Bäume werden zwar immer kleiner und es sind nur noch Birken, aber das war es dann auch schon. Der Wind ist heute auf unserer Seite. Auf fast ebener Strecke rollen wir die 55 km bis Kautokeino ohne Pause und schaffen es zum ersten Mal noch vor 12.00 Uhr mehr als 50 km zu fahren. Es ist der perfekte Tag, um Strecke zu machen. Die Landschaft und die Straße fordern nicht allzu viel Aufmerksamkeit von uns. Wir liegen auf unseren Aerolenkern und genießen den Wind in unserem Rücken. Wir treffen Harald nach 116 km auf einem Zeltplatz. Der Platz lädt uns nicht zum Bleiben ein. Wir wollen weiter. Nur noch knapp 70 km bis Alta, das sollte doch zu schaffen sein. Das Profil ist wie immer wellenförmig mit kaum spürbaren Steigungen. Die Höhenmeter summieren sich, aber es zerrt nicht so sehr an den Kräften. Die letzten 20 km geht es nur noch bergab. Wir schaffen es und notieren 182 km an einem Tag.

Mitternachtssonne

nach Bognelv/ N

Strecke99 kmHöhenmeter901 m

Persönliches Nordkap

Die große Landschaftsveränderung setzt auf den letzten 30 km vor Alta ein. Wir rollen durch eine enge Schlucht von der Hochebene zum Meer (Fjord) hinunter und sind umgeben von Bergen. Wir erholen uns einen Tag in Alta, verabschieden uns von Harald, der weiter Richtung Nordkap fährt. Wir schlagen die andere Richtung ein. Die E6 zeigt sich relativ freundlich. Der Verkehr hält sich in Grenzen und die Landschaft ist großartig. Nach ca. 30 km erreichen wir unser persönliches Nordkap, ab hier geht es wieder nach Süden. Warum so viele unbedingt zum Nordkap müssen, bleibt uns ein Rätsel. Marketingtechnisch wird das Nordkap gut verkauft und impliziert der nördlichste Punkt zu sein, was aber so nicht richtig ist. Das Nordkap liegt auf einer Insel. Der nördlichste Festlandpunkt liegt auf einer anderen Landzunge weiter östlich und selbst auf der Insel ist es nicht der nördlichste Punkt, der liegt weiter westlich. Mitternachtssonne kann man an vielen Punkten nördlich des Polarkreises sehen, wenn der Himmel denn mal nicht wolkenverhangen ist, was nicht oft vorkommt. Wer mit einem Wohnmobil vorhat, zum Nordkap zu fahren, der darf ca. 200,- Euro zahlen für die Benutzung des Nordkaptunnels und dem Eintrittsgeld, um auf einem eingezäunten Plateau vor einer Metallkugel zu stehen, wahrscheinlich im Nebel und viel Wind. Am traurigsten ist, dass viele dafür durch die wundervolle Landschaft Norwegens rasen, nur um in 14 Tagen ans Nordkap und wieder zurück zu kommen. Aber das spiegelt wohl nur den aktuellen Zeitgeist wider.

Mitternachtssonne

nach Straumfjordnes/ N

Strecke81 kmHöhenmeter1160 m

Echt norwegisch

Es gibt immer wieder Campingplätze, die einen positiv überraschen. Der letzte wartet mit einer "Galerie" auf. Bestehend aus einem großen Dachboden, der in mehrere Räume aufgeteilt ist. Ausgestattet sind die Räume mit gemütlichen Couches, Sesseln und Kamin. Ein kleines Museum gehört ebenfalls dazu mit Sachen über das Leben der Samen. Ein anderes Zimmer ist voller Bücherregale mit Büchern verschiedenster Themen. Anna hat es besonders die Schallplattensammlung inkl. Spieler angetan. Hier kann man stöbern, wie auf einem alten Dachboden. Man findet immer etwas altes Neues. So angenehm haben wir lange keinen Ruhetag mehr verbracht. Was auch eine Erwähnung wert ist. Wir haben hier keine Mücken. Nach 3 Wochen auf der Flucht vor diesen Quälgeistern ist das eine besondere Wohltat. Norwegen wird jetzt so richtig norwegisch mit Fjorden und Bergen. Die E6 windet sich an den Fjorden entlang. Drum herum gibt es überall Berge. Um von einem Fjord zum nächsten zu kommen, geht es steil bergauf. Die Ausblicke von oben sind noch überwältigender als von unten. Das Wetter gibt dem Ganzen den letzten Schliff. Wolken, Sonne und teilweise auch Regen wechseln sich ab und färben die Umgebung in ein Wechselspiel der Farben. Der eine oder andere Regenbogen darf natürlich auch nicht fehlen. In Schweden hatten wir viel Rückenwind, hier ist es wieder mehr Gegenwind aber das macht überhaupt nichts. Durch Norwegen kann es gar nicht langsam genug gehen ;).

Mitternachtssonne

nach Lyngen/ N

Strecke65 kmHöhenmeter670 m

Wundervolle Wendung

Ein seltsamer Tag mit einer wundervollen Wendung. Die Wettervorhersage ist schlecht. So richtig starten wollen wir eigentlich nicht, wir raffen uns dann aber doch auf. Wie erwartet, fängt es kurze Zeit später an zu regnen, was nicht gerade hilfreich ist für unsere Motivation. Wir halten immer wieder an. In Storslett gehen wir in aller Ruhe (1,5 h) einkaufen. Nach 30 km schauen wir uns einen Campingplatz an, mehr als bereit das Zelt schon aufzuschlagen. Der Platz ist uns aber zu teuer, für das, was er bietet. Dann doch lieber weiterfahren. Den zweiten Platz, 10 km weiter, finden wir nicht. Genau im richtigen Moment kommt zum ersten Mal an diesem Tag die Sonne raus und wir finden einen Rastplatz mit Windschutz. Kaum sind wir mit dem Essen fertig, fängt es wieder an zu regnen. Dazu ist es noch eiskalt und windig. Nach bis zu 30 Grad in den letzten Tagen sind es jetzt nur noch 10 Grad. Ja, wir wollten es ja kälter aber doch bitte nicht so kalt. Auf dem weiteren Weg nach Olderdalen hält uns ein entgegenkommender holländischer Reiseradler an, der auch einen Campingplatz sucht. „Den in Olderdalen gibt es nicht mehr“, sagt er uns. So verpassen wir eine Fähre, die gerade ablegt, als wir ankommen. Wir müssen aber nur 40 min auf die nächste warten. Innerlich stellen wir uns schon auf eine sehr kalte Nacht irgendwo am Wegesrand ein, als uns ein junger Norweger auf der Fähre anspricht. Wir kommen ins Gespräch und fragen ihn, ob es in Lyngen einen Platz gibt. Daraufhin bietet er uns an, bei ihm vor dem Haus zu zelten. Das nehmen wir doch sofort an. Dabei bleibt es aber nicht. Er, Nils und seine Frau Eli sind wirklich rührig. Wir bekommen ein Wahnsinnsabendessen, eine heiße Dusche, einen gemütlichen Abend am Ofen mit Gesprächen bis in die Nacht hinein und schlafen können wir im Gästezimmer. Am nächsten Morgen zeigt Eli uns noch den kleinen Ort, in dem sie leben. Wir sind mehr als dankbar für diese Gastfreundschaft.

Mitternachtssonne

nach Svensby/ N

Strecke21 kmHöhenmeter164 m

Norwegen der Wahnsinn

Norwegen ist einfach der Wahnsinn. Schon nach wenigen Tagen sind wir wieder restlos begeistert. Die meisten Länder haben vereinzelt kleinere Gebiete, die landschaftlich sehr reizvoll sind. In Norwegen ist es umgedreht, es gibt nur wenige Gebiete, die landschaftlich nicht reizvoll sind. Ansonsten reicht die Spanne nur von „wau“ bis atemberaubend, extrem, dramatisch schön. Lyngen gehört zur letzteren Kategorie. Es fällt mir schwer, heute mehr als 2 km zu fahren, ohne ein Foto zu machen. Die Berge sind noch steiler. Fast senkrecht ragen sie bis zu 1800 m in den Himmel . Wo es weniger steil ist, liegen Schneefelder und Gletscher. Kleinere Wasserfälle stürzen sich den Berghang hinunter. Die Sonne lässt den Fjord blau schimmern. Wahnsinn. Heute finden wir uns auch in einer Tageszeitung wieder. Eine Frau stoppte uns vorgestern auf der Straße. Sie fragte, ob sie ein Foto von uns machen könnte und stellte dazu ein paar Fragen. Wir können nicht genau sagen, was sie geschrieben hat, aber es sieht gut aus, wenn man sein eigenes Bild in der Zeitung sieht ;). 20 km reichen uns heute. Die letzten Tage waren doch sehr anstrengend.

Mitternachtssonne

nach Bogen/ N

Strecke99 kmHöhenmeter963 m

Alpen

Auf der Fähre und auf den ersten Kilometern können wir rückblickend noch die grandiosen Lyngener Alpen sehen. Als Alpen werden sie bezeichnet und brauchen mit den richtigen Alpen keinen Vergleich zu scheuen. Hochalpines Feeling gibt es hier schon knapp über Meereshöhe. Diese Berge vermitteln noch den Eindruck von Unbezwingbarkeit, so steil fallen viele zu allen Seiten ab. Gletscher und Schnee gibt es schon ab 1000 m. Auf der anderen Seite des Fjords geht es nicht mehr ganz so dramatisch zu. Auf der E8 haben wir viel Verkehr und ein starker Gegenwind macht die Fahrt beschwerlich. Ein Pausenplätzchen ist auch nicht zu finden. Links und rechts sind Leitplanken. Wir sind froh, Tromsö zu erreichen. Mit übermäßiger Schönheit glänzt auch diese Stadt nicht, aber es gibt alles, was man so braucht. Danach wird es schnell wieder ruhiger und landschaftlich interessant. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz gestaltet sich trotzdem schwierig. So radeln wir viel weiter als gewollt, bis wir ein schönes Plätzchen leicht erhöht an einem Fjord finden mit überragender Aussicht. Das Essen ist schnell gekocht und wir verkriechen uns schnell in unsere Schlafsäcke. Es ist immer noch ordentlich kalt.

Mitternachtssonne

nach Hamn/ N

Strecke82 kmHöhenmeter1020 m

Traumtag

Ein Traumtag schlechthin. Der Morgen beginnt erst sonnig, im Laufe des Tages zieht es sich aber wieder zu. Wir frühstücken und packen schnell zusammen. Die erste Fähre um 11.00 Uhr wollen wir bekommen. Die 10 km bis dahin sind schnell zurückgelegt, mal abgesehen von den regelmäßigen Fotopausen, ohne die es hier einfach nicht geht. An der Fähre treffen wir auf 4 andere Reiseradler. Besonders mit Carl kommen wir schnell ins Gespräch. Er ist Deutscher, lebt und arbeitet aber schon seit längerem in Norwegen. Er erzählt uns einiges über das Land, was wir sehr interessiert aufnehmen. Wir können ihn leider nicht überreden, mit uns die interessantere Strecke zu fahren. Mit seinem Liegerad hat er wohl Schwierigkeiten, größere Steigungen hinaufzukommen. Er entscheidet sich für eine weniger bergige Variante. Während wir noch mit ihm schwatzen, kommt Johannes angeradelt, der auch in unsere Richtung will. Auch er schwärmt von dem vor uns liegenden Weg. Wir radeln zusammen weiter. Nach einem kurzen Stück bergauf sehen wir in die erste Bucht und es verschlägt uns den Atem. Die Bucht ist umringt von senkrecht aufragenden geschätzt ca. 1000 m hohen Bergen. Viele haben eine gewisse Ähnlichkeit mit Haifischzähnen. So geht es den ganzen Tag. Wir fahren von einer Bucht zur nächsten, die oft durch Tunnel miteinander verbunden sind. An eine senkrechte Wand kann man wohl keine Straße bauen. Die Ein- und Ausblicke sind der Wahnsinn. Das Wetter ist perfekt, Sonnenschein und nur kleine Schäfchenwolken. Auf 70 km mache ich auch fast 70 Fotos und da musste ich mich schon zusammenreißen, dass es nicht noch mehr werden. Zum krönenden Abschluss finden wir noch ein perfektes Plätzchen, um die Mitternachtssonne auf dem offenen Meer sehen zu können, wenn wir denn dann noch wach sind. Der Tag gehört zu den schönsten unserer Tour.

Mitternachtssonne

nach Andenes/ N

Strecke22 kmHöhenmeter252 m

1 Kilo Käse

Bis 1.00 Uhr beobachte ich die Mitternachtssonne, die um diese Zeit schon langsam wieder am Aufsteigen ist. Die Nacht wird kurz. Bis zur nächsten Fähre sind es knapp 20 km und noch einige Höhenmeter. Die letzten Kilometer radeln wir an einem schmalen Fjord entlang, in dem sich die steil aufragenden Berge im aalglatten Wasser widerspiegeln. 1,5 h schippern wir heute mit der Fähre zur Insel Andoya (Vesteralen). Hin und wieder soll man auch Wale von dieser Fähre aus sehen können. In Andenes angekommen, ist uns heute nicht nach weiteren Radkilometern. Gefühlt sind wir ja immerhin ein ganzes Stück vorangekommen. Wir kaufen wieder mal kräftig ein. Unter anderem ein ganzes Kilo Käse, da dies die einzige bezahlbare Variante ist. In Norwegen sind viele Dinge doch deutlich teurer. Der erste Campingplatz ist uns gut genug. Er liegt direkt am Meer mit einem weißen Sandstrand und glasklarem Wasser. Hier werden wir unser Einjähriges (ein Jahr auf Tour) feiern.

Mitternachtssonne

nach Fornes/ N

Strecke68 kmHöhenmeter353 m

Andoya

Weite, ganz ebene Flächen und einzelne Berggruppen prägen das Bild der Insel Andoya. Richtig genießen können wir es aber nicht. Der Wind drückt uns fast wieder zurück. Die Ebenen sind mit Moos und Flechten bewachsen. Ein bisschen sieht es so aus wie in Irland, nur dass die Berge etwas höher und steiler sind. Das Wetter wäre perfekt für den Campingplatz in Stave mit seinen 38 Grad heißen "Hot Pools" mit Blick auf das Meer. Nicht schlecht aber etwas mehr als 20 km wollen wir schon fahren. Anna entdeckt am Straßenrand Multebeeren. Diese Beeren wachsen nur in den arktischen Regionen dieser Welt und sind sehr beliebt bei den Einheimischen. Hier und da sieht man immer wieder Leute mit kleinen Eimern die Umgebung absuchen. Schafe am Rand sind ebenfalls eine hübsche Abwechslung. Bei der Fahrt über die Elektrogatter, die über die Straße verlaufen, wird uns allerdings ein bisschen mulmig. Eins knackt, wie eine Hochspannungsleitung. Wir verlassen die Insel über eine große Brücke. Das sind steile und oft sehr windausgesetzte Rampen, auf denen es kurz 50 Höhenmeter nach oben geht. Nach 68 km stellen wir unser Zelt auf und mit einem Schlag ist auch der Wind weg, was die Midges aus ihren Löchern treibt. Ganz toll...

nach Higrav/ N

Strecke95 kmHöhenmeter570 mSonnenaufgang01:45 UhrSonnenuntergang00:15 Uhr

Die Sonne geht wieder unter. Dunkel wird es deswegen aber noch lange nicht.

Lila

Nach wenigen Kilometern bleiben wir am Straßenrand stehen, um ein Foto zu machen. Da tritt ganz unerwartet ein Mann aus den Büschen und winkt uns mit einem Eimer in der Hand zu. Wir winken zurück und warten ab. Der Mann kommt mit seinem Eimer auf uns zu und bietet uns gerade frisch gepflückte Multebeeren an. Die Beeren schmecken nicht schlecht. Der Straßenrand ist heute mit lila Blumen gesäumt. Die Berge sind nicht ganz so hoch, etwas runder und grün bewachsen. In unserem norwegischen Lieblingsmarkt, einem REMA 1000, erledigen wir die täglichen Besorgungen. Wir nähern uns langsam den Lofoten. Die Berge auf der anderen Seite des Fjords werden wieder steiler und größer. An der Fähre in Melbu treffen wir Johannes wieder. Die Lofoten beginnen spektakulär. Wir radeln durch ein schmales Tal/ Fjord mit senkrecht aufragenden Bergen links und rechts. Hier sollte sich doch ein schöner Platz zum Übernachten finden lassen. Wir fragen zunächst an einem Haus nach Wasser. Im Vorbeifahren haben wir schon eine Landzunge entdeckt, die sich anbieten würde, sind uns aber nicht sicher, ob es sich dabei um ein Privatgrundstück handelt. Zufällig kommt die Eigentümerin mit ihrem Auto an uns vorbei. Wir fragen, ob wir auf ihrem Grundstück das Zelt aufschlagen dürfen. Es ist kein Problem. Kurze Zeit später kommt sie bei uns vorbei und erkundigt sich, ob alles in Ordnung sei, dann fährt sie mit ihrem Mann zum Fischen raus. Als sie wiederkommen, schaut sie ein zweites Mal vorbei und bietet uns an, bei ihr im Haus zu schlafen. Sie habe Angst, dass es uns draußen zu kalt werden könnte. Wir lehnen zwar ab, finden es aber trotzdem großartig.

Lofoten

nach Norskehavet/ N

Strecke78 kmHöhenmeter669 mSonnenaufgang02:01 UhrSonnenuntergang00:09 Uhr

Die Lofoten sind sehr abwechslungsreich. Immer hat man was zu sehen. Sehr schön ist es, wenn sich Wolken zwischen die Bergspitzen schieben. Das gibt den Bergen etwas Mystisch-Geheimnisvolles. Manchmal sind die Berge ganz spitz, als ob die Zähne eines Haies aus dem Wasser ragen. Dann zeigen sich die so für Norwegen typischen abgeschliffenen Felskuppen, die mit weichem Bodenkraut bewachsen sind. Glasklare Fjorde schimmern türkisfarben zwischen dem Grün der Berge. Die Inseln werden auch häufig mit der Insel Senja, auf der wir schon waren, verglichen. In einigen Reiseberichten werden die Lofoten sogar als schöner beschrieben. Das stimmt, unserer Meinung nach, jedoch nicht. Die Lofoten sind sehr schön, keine Frage, aber sie kommen bei Weitem nicht an die dramatische und wilde Schönheit der Insel Senja heran. In der Lofotenhauptstadt Svolvaer investieren wir bei Statoil 20,- Euro in eine Kaffeetasse. Mit dieser tollen Tasse können wir jetzt zu jeder Statoil-Tankstelle gehen und uns kostenlos beliebig oft Kaffee, Cappuccino oder heiße Schokolade holen. Frisch gestärkt mit Kaffee und heißer Schokolade machen wir uns wieder auf den Weg. Der Verkehr auf der E10 ist hoch. Erst auf einer der wenigen Nebenstrecken, der 815, wird es besser. So wirkt die Landschaft doch gleich viel schöner.

Richtig schön

nach Moskenes/ N

Strecke80 kmHöhenmeter965 mSonnenaufgang02:26 UhrSonnenuntergang23:53 Uhr

Auf den letzten 50 km werden die Lofoten richtig schön. So, wie man sie von vielen Bildern kennt. Senkrechte Felswände, davor kleine Dörfer mit bunten, hübschen Holzhäusern. Das Wetter ist wechselhaft. Nach der ersten Statoil-Tankstelle wird es besser. Wahrscheinlich liegt es an der heißen Schokolade. Der Wind schiebt von hinten. Das ständige Auf und Ab schlaucht aber trotzdem. Es gibt zwar keine längeren Steigungen auf den Lofoten, dafür aber viele kurze knackige. Die Straße schlängelt sich durch die Landschaft vorbei an traumhaften weißen Sandstränden und Dünen, die irgendwie seltsam in dieser doch eher rauen und kalten Landschaft wirken. Am Nachmittag blinzelt die Sonne hin und wieder durch die Wolken. Dadurch kommt diese bizarre Landschaft deutlich schöner zur Geltung. Unter einem rötlich leuchtenden Abendhimmel (Mitternacht) lassen wir den Tag ausklingen.

Â

nach Bodö/ N

Strecke18 kmHöhenmeter198 mSonnenaufgang02:45 UhrSonnenuntergang23:25 Uhr

Der letzte Zeltplatz in Moskenes ist eher von der Sorte, die Leute kommen sowieso, warum also übermäßig viel machen, Hauptsache ordentlich abkassieren. So verlassen wir heute die Inseln und nehmen die Fähre nach Bodö. Der Preis für die Fähre ist fast ein Schnäppchen und kostet „nur“ 20,- Euro pro Person. Für die halb so lange Fähre von Senja nach Andoya mussten wir 25,- Euro p. P. zahlen. Vorher machen wir aber noch einen Abstecher in das vielgelobte Fischerdörfchen Â, das die letzte Ortschaft auf den Lofoten ist. Es liegt sehr idyllisch zwischen kleineren zerklüfteten Inselchen. Im Hintergrund ragen die schon oft beschriebenen steilen Wände der Berge auf. Im Sonnenlicht ist es ein Postkartenbild, das sich uns nach der letzten Straßenbiegung zeigt. Wir verabschieden uns gedanklich von Norwegens schönen Inseln im Norden und sind voller Erwartungen auf den nächsten Etappenabschnitt entlang der Westküste Richtung Süden.

Saltstraumen

nach Kjopstad/ N

Strecke69 kmHöhenmeter878 mSonnenaufgang03:01 UhrSonnenuntergang23:11 Uhr

Von Bodö aus geht es in einem großen Bogen um den Norskehavet. Nach 30 km erreichen wir Saltstraumen. Hier soll es den mächtigsten Gezeitenstrom der Welt geben. Zum Gezeitenwechsel soll dieser am eindrucksvollsten sein. Wir erkundigen uns nach der Zeit und warten geduldig bis 14.30 Uhr, wo dieser einsetzen soll. Wir stehen nicht alleine auf der Brücke, was uns das Gefühl gibt, hier muss gleich was Tolles passieren. Wir warten und warten, die Zeit verstreicht, es ist schon fast 15.00 Uhr, nichts verändert sich. Das Wasser unter uns fließt weiter Richtung Meer, es strudelt ein bisschen mehr als ein normaler Fluss, richtig spektakulär ist es aber nicht. Die anderen Leute gehen inzwischen, unsere Hoffnung sinkt, dass sich gleich noch was ändert und so steigen wir wieder aufs Rad. Leicht unmotiviert fahre ich weiter und denke: "Schon wieder so eine super Touristenattraktion, die eher enttäuschend war." Wir lernen aber auch einfach nicht dazu. Am Abend rollen wir auf einen sehr kleinen privaten Campingplatz ein. Wir können sogar den Preis etwas verhandeln, was bisher so gut wie nie möglich war in Skandinavien. In einer kleinen Holzhütte wurde liebevoll eine Wohnküche für die Camper hergerichtet. Alles ist sehr provisorisch aber sehr gemütlich. Als das Wetter am nächsten Tag eher etwas drückend ist mit seiner tiefliegenden Wolkendecke, entschließen wir uns doch schnell den Tag auf der Couch in dieser gemütlichen Wohnküche zu verbringen und einfach nur abzuhängen.

Regina und Martin

nach Ornes/ N

Strecke67 kmHöhenmeter905 mSonnenaufgang03:17 UhrSonnenuntergang23:00 Uhr

Der Tag beginnt ganz normal. Wir starten bei Sonnenschein. Die Straße geht mehr rauf und runter, als es eigentlich sein müsste. Am Nachmittag fahren wir an einem Liegeradler vorbei, der gerade Pause macht. Wir winken ihm kurz zu. Wenig später bleiben wir stehen, um zu überlegen, wo wir heute schlafen werden. In dem Moment hält Martin mit seinem Liegerad neben uns. Wir plaudern ein bisschen und er lädt uns zu sich ein. Wir radeln zusammen zu seinem Haus. Dann geht alles ganz schnell. Eine Stunde später befinden wir uns auf einem symbolischen Trauermarsch der örtlichen Gemeinde. Überall im Land finden oder fanden diese Märsche statt. Die Menschen wollen damit Zusammenhalt demonstrieren. Das Motto ist "Wenn ein einzelner Mann so viel Hass zeigen kann, wie viel Liebe können wir da nicht alle gemeinsam dagegenstellen!". Menschen aller Nationalitäten und Politiker stehen zusammen. Die Menschen im Land sind sich sicher, dass diese Tat das Land verändern wird. Mehr Offenheit, mehr Humanität und mehr Demokratie soll die Antwort darauf sein und somit genau das Gegenteil von dem, was der Täter damit bezwecken wollte. Dann sitzen wir mit Regina und Martin noch stundenlang in ihrem Haus. Wir erfahren viel über das Land und das Leben auf Spitzbergen, wo die zwei eigentlich leben und arbeiten. Seit langem trinken wir auch mal wieder ein, zwei Gläschen Wein. Als die zwei uns anbieten, noch einen Tag bei ihnen zu bleiben, sagen wir nicht nein.

Der König der Wälder

nach Kilboghamn/ N

Strecke63 kmHöhenmeter843 mSonnenaufgang03:34 UhrSonnenuntergang22:47 Uhr

Wir sitzen gerade bei Regina und Martin im Wohnzimmer und wollen den Abend mit einem indischen Brettspiel verbringen, als der König des Waldes aufs Grundstück kommt. Wir wollten schon eine Elchsafari mitmachen oder hatten immer gehofft, noch einmal einen Elch von der Straße aus zu entdecken. Bisher hat er sich uns nicht mehr gezeigt. So einfach kann es jedoch sein. Da die Norweger kaum Zäune haben, die Grundstücke sind in der Regel alle offen, kommt der Elch auch schon mal zu Besuch. Unser Freund lässt sich auch überhaupt nicht irritieren, als wir auf die Veranda treten, um ein Foto zu machen. Er schaut nur auf und grast dann in aller Ruhe weiter. Er ist nicht allzu groß. Wir vermuten, dass er noch relativ jung sein muss. Nach einer Stunde erst zieht er sich wieder in den Wald zurück. Am nächsten Morgen heißt es wieder Abschied nehmen. Es war eine äußerst angenehme Zeit bei Regina und Martin. Vielen, vielen Dank für alles! Wir starten mit einer Fähre von Ornes auf die Insel Gronoy. Auf dem weiteren Weg sind wir erst einmal alleine. Die Autos fahren durch einen 10 km langen Tunnel auf der RV 17, durch den wir nicht radeln dürfen. Von der zweiten Fähre aus können wir einen Blick auf ein kleines Stück des Svartisen-Gletschers werfen, den zweitgrößten Norwegens. Mit der dritten und letzten Fähre für heute überqueren wir wieder den Polarkreis. Es wird gefühlt auch gleich viel wärmer ;). Die Nächte werden langsam wieder dunkler (fortgeschrittenes Dämmerlicht).

RV 17

nach Levang/ N

Strecke102 kmHöhenmeter1212 mSonnenaufgang03:47 UhrSonnenuntergang22:36 Uhr

Endlich ist die Wolkendecke aufgerissen, die seit mehreren Tagen über uns liegt. Licht macht hier so viel aus. Berge, die bei Wolken nur wie eine große graue Wand aussehen, erleuchten bei Sonnenlicht in den unterschiedlichsten Farben. In den Fjorden spiegeln sich die Berge und der blaue Himmel wider. Nur die langen Tunnel unterbrechen das Spiel aus Licht und Farben. Die RV 17 ist überdurchschnittlich anspruchsvoll. Es geht ständig rauf und runter. Gefühlt kommt man auch nicht wirklich vorwärts. Die Straße windet sich um jeden Fjord. Die Landschaft entschädigt aber für alles. Hinter fast jeder Kurve sieht es anders aus. So zeigen sich die Berge einmal kahlfelsig und abgerundet, zum anderen steil emporragend und grün bewachsen. Es bimmelt immer wieder im Gebüsch. Kühe und Schafe verstecken sich links und rechts von der Straße. Am Abend taucht die Sonne die Berge in ein leuchtendes Orange. Toll! Erst um 22.00 Uhr schlagen wir unser Zelt in einer tollen Abendstimmung auf. Der Campingplatz gehört in die Kategorie besonders liebevoll gestaltet, von denen es nicht mehr viele gibt.

7 kopflose Schwestern

nach Tjotta/ N

Strecke64 kmHöhenmeter586 mSonnenaufgang03:55 UhrSonnenuntergang22:37 Uhr

Von Levang nach Sandnessjoen geht es ganz entspannt. Am Anfang geht es einmal 100 hm nach oben und wieder hinab. Dann rollen wir mehr oder weniger eben dahin. Die Wolkendecke liegt wieder tief über der Landschaft. Von der bekannten Bergkette "die 7 Schwestern" sehen wir nur die Füße. Die Köpfe stecken in den Wolken. Eine Schwester blinzelt kurz hindurch, dann ist sie wieder verschwunden. Die Füße sind, wie bei den meisten Menschen auch, nicht ganz so attraktiv (ist Carstens Meinung). So radeln wir längs an der Bergkette vorbei, ohne ihr viel Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür erblicken wir am Rand immer wieder große essbare Pilze. Würden wir uns etwas mehr mit Pilzen und dem Fischfangen auskennen, könnten wir hier sehr günstig über die Runden kommen. Aber da wir diese Wissenslücke verpasst haben, rechtzeitig zu füllen, bleibt uns nichts anderes übrig, als unseren wöchentlichen Großeinkauf im Supermarkt zu machen.

Mit Loch oder ohne

nach Vik/ N

Strecke80 kmHöhenmeter445 mSonnenaufgang04:07 UhrSonnenuntergang22:28 Uhr

Die erste Fähre ist nur 7 km entfernt. Dort angekommen, stehen schon andere beladene Räder da. Zwei Frauen mit relativ leichtem Gepäck und zwei Schweizer ähnlich beladen wie wir. Ich staune noch über die sehr gut eingefahrenen Brookssättel der Schweizer, die sich wie eine Banane biegen. Sie sind auch über Schweden gekommen, waren am Nordkap und sind nun auf dem Heimweg. Dabei sind sie schneller, als gedacht, geradelt und schimpften über das schlechte Wetter, das sie bisher hatten. Die Fähre kommt eine halbe Stunde später. Nach einer Stunde Fahrzeit legen wir an. Die anderen Radler sind schnell weg. Die nächste Fähre ist ca. 17 km entfernt. Ich frage Carsten, wann denn die nächste Fähre fährt und ob wir uns nicht beeilen müssten. Wir schauen in unserem kleinen Büchlein zum Küstenradweg nach, das kostenlos in den Fähren, auf Zeltplätzen und in Touristeninfos ausliegt. Sie fährt erst in knapp zwei Stunden. "He, dann haben wir ja massig Zeit." Das erste schöne Pausenplätzchen nutzen wir für ein zweites Frühstück. Nach der zweiten Fähre wartet schon das nächste "Highlight" auf uns Torghatten. Ein Felsen mit einem großen Loch in der Mitte. Der Himmel hat sich schon wieder zugezogen und der Umweg von 30 km ist uns zu viel, um den "tollen" Felsen aus der Nähe zu begutachten. Wir begnügen uns damit, den Berg nur von Weitem und ohne Loch zu sehen. Vielleicht beim nächsten Mal. Vielleicht auch nicht.

Im Schwarzwald

nach Flatt/ N

Strecke104 kmHöhenmeter1174 mSonnenaufgang04:16 UhrSonnenuntergang22:17 Uhr

Heute müssen wir uns richtig sputen, um die nächste Fähre und vorerst letzte auf der RV 17 zu bekommen. Was gut anfängt, wird schnell zäh. Es ist wieder mal ein schwerer Radtag. Selbst nach einem Jahr fahren wir die vielen Steigungen nicht mühelos nach oben. Es ist ein ewiger Kampf gegen die Schwerkraft. Im kleinsten Gang und mit Schrittgeschwindigkeit müht man sich nach oben. Die Landschaft verändert sich. Anna meint: „Es sieht hier aus wie im Schwarzwald“ (allerdings war sie noch nie im Schwarzwald, sei hier angemerkt). Ganz unrecht hat sie aber nicht. Es ist eine Mittelgebirgslandschaft mit runden waldbewachsenen Bergen. Nach so viel Wasser, das wir in den letzten Wochen gesehen haben, ist es auch mal wieder schön, durch einen Wald zu radeln. Zwischendurch sieht man auch mal kleine Felder und Wiesen. Die gelben Kornfelder sind ein schöner Kontrast zu der grünen Umgebung.

Rücksichtsvoll

nach Namsos/ N

Strecke59 kmHöhenmeter337 mSonnenaufgang04:28 UhrSonnenuntergang22:08 Uhr

Eigentlich wollen wir einen Ruhetag machen, aber unser Plätzchen ist dafür nicht so geeignet. Wir schlafen aus und frühstücken im Zelt, da es regnet. Wir warten, bis der Regen etwas nachlässt und packen gegen Mittag zusammen. So richtig Lust haben wir nicht, loszufahren, aber der nächste Campingplatz ist laut Karte nicht sehr weit. Wir schwingen uns also auf die Räder. Hier ist die RV 17 doch stärker befahren. Die norwegischen Autofahrer sind aber die rücksichtsvollsten von ganz Europa. Sie überholen meistens mit größtmöglichem Abstand, auch wenn dafür der Gegenverkehr schon mal an den Rand gedrängt wird. Teilweise fahren sie so lange hinter uns her, bis sie absolut sicher sind, überholen zu können. Der Regen hat nun ganz aufgehört. Carstens Laune steigt noch mehr, als eine Statoil-Tankstelle in Sicht kommt. "Käffchen" ruft er hinter mir und überholt. Ja, so ein leckerer Cappuccino oder Caffe Latte kostenlos ist schon was Feines und immer eine willkommene Pause. Es rollt dann erstaunlich gut, denn ein starker Rückenwind hat eingesetzt. So nehmen wir nicht den ersten Campingplatz, sondern rollen gleich noch bis Namsos. Aus dem eigentlichen Ruhetag ist nun doch ein halber Radtag geworden. In Namsos treffen wir ein kanadisches Reiseradlerpärchen. Sie wollen den gleichen Weg fahren, den wir gekommen sind, und sind ein Teil des Weges gekommen, den wir noch nehmen wollen. Am Abend sitzen wir zusammen und tauschen viele Tipps aus.

Schöne Touristen- Küstenstraße

nach Verrabotn/ N

Strecke100 kmHöhenmeter1031 mSonnenaufgang04:40 UhrSonnenuntergang22:05 Uhr

Nach 650 km verlassen wir heute die RV 17. Die Straße wird häufig als Traumstraße oder auch als eine der schönsten Touristen-Küstenstraßen weltweit bezeichnet. Was immer das auch heißt, schön ist die Straße auf jeden Fall. Die Landschaft ist äußerst abwechslungsreich und oft von enormer Schönheit. Wasser bekommt man mehr als genug zu sehen, wenn man gerade mal wieder einen der vielen Fjordarme umfahren muss. 6 Fähren sind nötig, es können aber auch noch einige mehr werden, wenn man die eine oder andere Insel mitnehmen will. Wir biegen auf die RV 720, eine 1,5-spurige Straße. Die mögen wir am meisten. Links von der Straße geht es steil nach unten mit Blick auf den Beitstadfjorden. Rechts geht es steil bergauf, oft senkrecht. Gegen Abend wollen wir unsere Wasservorräte auffüllen. Anna geht zu zwei Häusern. Die Türen stehen offen, die Schlüssel stecken von außen, aber kein Mensch ist da. Das ist in Norwegen ganz normal. Es gibt keine Zäune und viele Häuser stehen einfach offen. Erst beim dritten Haus haben wir Glück und es lässt sich jemand sehen, der uns gern die Wasserflaschen auffüllt. Nach genau 100 km finden wir direkt am Fjord einen schön versteckten Rastplatz, wo wir unser Zelt aufschlagen. Wir essen in Ruhe, machen uns bettfertig und ziehen uns ins Zelt zurück. Kaum sind wir drin, fängt es an zu regnen, nachdem es den ganzen Tag trocken war. Perfektes Timing.

Es wird wieder richtig dunkel!

nach Flakk/ N

Strecke63 kmHöhenmeter816 m

Regen

Wir schlafen in aller Ruhe aus. Die ganze Nacht hat es ununterbrochen geregnet. Erst kurz bevor wir aufstehen wollten, hörte es auf. Wir frühstücken und packen zusammen, ohne einen Tropfen abzubekommen. Kaum sitzen wir auf dem Rad, fängt es wieder an. Die nächsten 4 Stunden schüttet es wie aus Kannen. Wir beschweren uns lauthals, was es aber nicht besser macht. In den letzten Monaten sind wir wohl zu verwöhnt worden mit dem Wetter. Der letzte richtige Regentag auf dem Rad liegt schon ein ganzes Stück zurück. Ein bergiges Sträßchen bringt uns richtig zum Schwitzen, was in den Regenklamotten besonders toll ist. Kurzum kein schöner Tag. Wenigstens ist die Fähre über den Trondheimsfjorden für Fußgänger kostenlos und wir werden als solche gezählt. Direkt auf der anderen Seite ist ein Campingplatz, den wir nehmen. Für heute reicht es uns.

Weiter

Trondheim

nach Vikhammer/ N

Strecke63 kmHöhenmeter659 m

Im strömenden Regen bauen wir unser Zelt ab. Wir würden die Sache gerne aussitzen, aber leere Essentaschen sind keine gute Basis dafür. So radeln wir bei bestem Regen nach Trondheim. Auf der Post wartet ein Paket auf uns. Mit dem Inhalt ca. 1 kg Schokolade sind der Tag und die nächste Woche gerettet. In Norwegen ein unbezahlbarer Luxus. Natürlich war nicht die Schokolade der Grund des Paketes, sondern Ersatzteile, aber trotzdem ist sie ein sehr positiver Nebeneffekt. Wir kaufen ein und fahren zum nächsten Campingplatz. Der Regen will einfach nicht aufhören. So stellen wir auch im Regen das Zelt wieder auf. Zum ersten Mal auf dieser Tour. Der nächste Tag sieht zwar schon viel besser aus, aber wir bleiben lieber und trocknen alle Sachen. Auf den letzten Kilometern konnte ich nicht mehr in alle Gänge schalten. Das Problem wieder mal völlig verkennend, nehme ich mich der Sache erst am Nachmittag an. Ein bisschen rütteln und ein Tropfen Öl wird die Sache schon wieder in Gang bringen. Hat nicht ganz funktioniert. Bei genauerer Betrachtung zeigte sich, dass die Schaltzüge angerissen sind und die kleinen Drähtchen sich in alle Richtungen gebogen haben. Was nun? Wir haben weder das passende Werkzeug, geschweige denn Ersatzteile. Vielleicht haben wir uns im Vorfeld doch nicht genügend mit der speziellen Technik der Rohloff auseinandergesetzt. Der Mythos der unzerstörbaren Rohloff bezieht sich wohl nur auf das Innere, alles, was draußen dran ist, teilt dieses Glück nicht. Die gute Nachricht von Ralf ist, dass wir keine speziellen Rohloff-Schaltzüge brauchen. Mit Anleitungsvideo und Beschreibung fahren wir am nächsten Tag nach Trondheim. Der erste Radladen hat die entsprechenden Ersatzteile und das Werkzeug, das wir brauchen. Da die Schaltung aber keiner kennt, ist es an uns, den Wechsel zu machen. Dank des Videos, 4 Augen und ein paar logischen Überlegungen sitzen die neuen Züge nach ca. einer Stunde und ich kann wieder schalten. So kommen wir dann auch noch zu ein bisschen Sightseeing bei Sonnenschein und der Eindruck bestätigt sich, dass Trondheim ein ganz hübsches Städtchen ist.

Zufall oder nicht

nach Selbu/ N

Strecke50 kmHöhenmeter673 m

Es geht weiter. Ich freue mich über jeden Gang, in den ich schalten kann. Nur einen Gang zur Verfügung zu haben, ist zwar auch eine ganz interessante Variante, die sich in Städten wachsender Beliebtheit erfreut, aber wir sind dann doch eher die Vielschalter. Wir hatten auch schon einige "1 Gang Gegenden". So bezeichnen wir sie, weil wir uns die ganze Zeit im kleinsten Gang den Berg hinaufarbeiten, dann runterrollen, bis es wieder im 1. Gang bergauf geht. Rauf wird es in den nächsten Tagen wieder reichlich gehen. Wir verlassen das Fjordland. Vor uns liegen die Hochebenen Norwegens. Wo genau wir langfahren, wissen wir noch nicht. Die Informationsbeschaffung ist in Norwegen etwas schwierig. Die Touristeninformationen können einem meistens nur Infos über den Umkreis von ca. "50 m um ihr Haus" geben. Informationen über geeignete Radstrecken gibt es gar nicht. Wie gut, dass wir auf dem heutigen Campingplatz Frank treffen, der aus der entgegengesetzten Richtung kommt und sogar einen Radreiseführer für Norwegen hat. Zufälle gibt es oder sind es gar keine Zufälle, wer weiß das schon so genau...

Norwegens Menschen

nach Stugudalen/ N

Strecke74 kmHöhenmeter907 m

Norwegen ist nicht nur toll wegen der Landschaft, sondern auch wegen der Menschen. Heute kommen wir 10 Minuten nach Ladenschließung an einem Supermarkt an. Wir stehen kurz enttäuscht davor und schauen durch die Scheibe. Dies ist der letzte Markt auf unserem Weg und morgen ist Sonntag. Es bleibt uns nur die Tankstelle für das Nötigste. Wir sind schon ein paar Meter weg, als ein Mann aus dem Supermarkt kommt und uns hinterherruft. Wir drehen um und fragen ihn (wahrscheinlich der Marktleiter), ob wir noch etwas einkaufen könnten. Ja, kein Problem. Super, wir gehen zusammen rein. Der Mann zückt einen Zettel, auf dem er aufschreibt, was wir nehmen, und rechnet dann den Preis zusammen, da die Kassen schon geschlossen sind. Wir bezahlen, er packt uns die Sachen in eine Tüte und legt noch 2 Eis und 2 Tafeln Schokolade mit rein. Draußen erzählen wir ihm kurz von unserer Tour. Als wir die Sachen einpacken, läuft er noch mal rein und bringt uns noch 4 Bananen mit den Worten "Gutes Essen fürs Radfahren". Wir bedanken uns, so gut wir können. Er bietet uns auch an, zu duschen. Er habe im Markt eine Mitarbeiterdusche. Da wir heute noch weiterfahren wollen, lehnen wir dankend ab. So schließt er seinen Markt zu, schwingt sich auf sein Fahrrad, winkt uns zu und weg ist er. Wir stehen noch da, unser Eis schleckend, und sind wieder mal begeistert von dem unerwartet positiven Erlebnis.

Roros

nach Roros/ N

Strecke70 kmHöhenmeter709 m

Es geht hinauf ins Fjell. Übernachtet haben wir auf einem kleinen Campingplatz am See auf 620 m. Bis zum höchsten Punkt der Straße fehlen nur noch 300 Höhenmeter. Ein sehr starker Gegenwind, der einen schon auf ebener Strecke auf der Stelle treten lässt, macht diese 300 Hm zu einer Kraftprobe. Die Freude, über die Baumgrenze zu kommen, wird so fast weggeblasen. Aber nur fast, das Fjell, die baumlosen Hochebenen, sind grandios. In Schweden hatten wir schon einmal das Vergnügen. Der Wechsel von Sonne und Schatten taucht die Landschaft in Grün, Braun und Orange. Die vielen kleinen Seen glitzern mal in der Sonne, dann sind es wieder dunkle Flecken. Bei diesen Bildern ist der Wind erst einmal Nebensache. Nach 30 km ändert unser Weg die Richtung. 90 Grad reichen aus, damit wir den Wind nun von hinten haben. So erreichen wir die alte Bergstadt Roros noch beizeiten. Roros ist Unesco-Welterbe, wegen ihrer gut erhaltenen alten Bausubstanz. Die Stadt besteht fast vollständig aus alten kleinen Holzhäusern. Mehrere Museen erzählen die Geschichte des Kupferbergbaus in dieser Region.

Stille

nach Savalen/ N

Strecke84 kmHöhenmeter723 m

Der Morgen ist total verregnet. Wir wollen bis 12.00 Uhr warten, wenn es dann nicht aufgehört hat, bleiben wir noch eine Nacht hier. Kurz vor 12 hört es auf. Mist, innerlich hatte ich mich schon auf einen weiteren Tag vor einem 2m Flachbildschirm und digitalem Fernsehen mit vielen guten Filmen eingestellt. Unser Campingplatz bot diesen Luxus in einem sehr wohnlichen Raum. So lassen sich Regentage sehr gut aushalten. Nun packen wir aber doch zusammen. Der Tag vergeht ganz entspannt. Wir rollen an einem Fluss ganz leicht bergab. Der viele Regen der letzten Tage hat den Fluss stark anschwellen lassen. Hier und da sind Wiesen überschwemmt. Den Tag hatten wir schon als leicht und flach abgehakt, bis wir von der 3 auf ein kleines Sträßchen abbiegen. Ein ausgewiesener Campingplatz in 13 km verführt uns dazu. Es geht sofort bergauf. Anna meint nach kurzer Zeit, der Campingplatz wäre an einem Fjellhotel und schlussfolgert daraus, dass wir ins Fjell müssen, was deutlich höher liegt. Ich denke noch so: "Ja, ja, die verkaufen das Nordkap auch als nördlichsten Punkt, so schlimm wird es schon nicht werden". Die Straße hört aber nicht auf anzusteigen. 300 m höher sind wir schlauer. Das Fjellhotel liegt zwar sehr hoch, aber nicht im Fjell, unsere Straße wird zu einem Schotter-/Lehmweg und einen Campingplatz gibt es nicht. Egal, die Straße führt uns durch eine tolle Gebirgslandschaft. Wir suchen uns einen Platz im Wald. Es ist wieder mal unglaublich still. Man hört wirklich nichts, außer den eigenen Geräuschen und die verklingen auch recht schnell, weil wir tief und fest schlafen.

Rondanegebirge

nach Atnbrua/ N

Strecke81 kmHöhenmeter688 m

Nach den ersten Kilometern stoßen wir auf Schilder, die sagen, dass unsere Straße in 5 km gesperrt wäre. Mangels Alternativen und weil wir solche Warnungen meistens ignorieren, fahren wir weiter. Bisher haben wir noch immer einen Weg hindurch oder drum herum gefunden, auch wenn wir dafür das Rad schon mal schieben oder kurz tragen mussten. In Frankreich wurden wir sogar einmal durch eine Großbaustelle gelassen. Heute wird es eng. Die Schotterstraße, die an einem Berghang entlang geht, ist an 3 Stellen abgerutscht durch den starken Regen der letzten Tage. Nur noch ca. 1 m ist am Rand geblieben. Genug für uns, um unsere Räder dran vorbeizuschieben. Auf der 28 angekommen, sehen wir schon von Weitem das Rondanegebirge. In Folldal trinken wir ein Käffchen an einer Statoil. Einen Kaffeeautomaten gibt es nicht. Der Kaffee steht in einer Thermoskanne zur Selbstbedienung bereit. Die Norweger sind bei vielen Dingen sehr unkompliziert. Auf der 27 geht es am Rondane-Nationalpark entlang. Das Fjell leuchtet in einem sehr hellen Mintgrün (schon fast hellgelb) durch die hier massenhaft wachsende Rentierflechte. Diese bedeckt den Boden fast vollständig. Sie gibt der Landschaft einen ganz eigenen Charakter. Links und rechts ragen Berge bis zu 2100 m in die Höhe. Am Abend fragen wir bei einer Art Camping, ob wir hier zelten können. Ja, kein Problem. Ein Preis dafür wird eben mal schnell ausgedacht. Wir sind damit aber sehr zufrieden. In der Küche gibt es keine Sitzecke, dafür im Bad eine Couch und einen Babytisch. Dann kochen und essen wir eben im Bad, wir sind eh alleine.

PS: für Harald: 3. Elchsichtung (ein richtig Großer)

Rund oder steil

nach Tretten/ N

Strecke71 kmHöhenmeter611 m

Gestern sage ich noch so dahin: "Die Berge in Norwegen lassen sich gut radeln". Die Steigungen sind moderat und es geht nicht mehr als 200-300 m am Stück nach oben. Heute werden wir sofort eines Besseren belehrt. Die erste Steigung geht 2 km lang mit 12% zur Sache. Oben wartet das Fjell auf uns. Anna ist hin und weg von dieser Landschaft. Ihr gefallen besonders diese sanften und runden Formen der Berge und die Weite des Fjells. Mir gefallen ja die steilen etwas besser. Aber wie auch immer, diese Landschaft hat etwas wirklich Beeindruckendes und ist schwer zu vergleichen mit anderen Gebirgen. Der flechten- und moosbewachsene Untergrund ist ganz weich, man möchte sich am liebsten reinlegen. Die Strecken, die direkt durchs Fjell gehen, sind leider viel zu kurz. Nach 15 km geht es wieder runter. Das Tal, in das wir hinabfahren, liegt vor uns im Dunkeln. Dicke Regenwolken liegen darüber, die Berge auf der anderen Seite sind nur eine schwarze Silhouette. Wir ziehen gleich unsere Regensachen über und rollen los. Mit 8-9 % geht es von 1050 m auf 200 m. Die Freude über die lange Abfahrt hält sich in Grenzen. Wollen wir doch als Nächstes in die Berge auf der anderen Seite, wo die Straße ebenfalls bis über 1000 m führt. Unten müssen wir uns entscheiden. Entweder 30 km eben auf der E6 oder eine Parallelstraße mit vielen Höhenmetern. Aufgrund des schlechten Wetters entscheiden wir uns für die E6. Nach 30 km wissen wir wieder mal, warum wir solche Straßen versuchen zu meiden, wo es nur geht.

PS: So eine niedliche Katze ist auf unser Zelt gesprungen und hat den Stoff mit ihren Krallen zerlöchert.

Peer-Gynt-Vegen

nach Skabu/ N

Strecke88 kmHöhenmeter2018 m (die Zahl ist richtig!)

Oft ist es gut, nicht zu wissen, was auf einen zukommt. Das Einzige, was wir wissen, ist, der Weg hat einen Namen "Peer-Gynt-Weg". Der höchste Punkt liegt bei ca. 1050 m, wir starten auf 180 m und er soll einer der schönsten Wege Norwegens sein. Um es kurz zu machen, der Weg war schön kalt, schön nass, schön nebelig und hatte ganz schön viele Höhenmeter. Dabei fing der Tag so gut an. Die ersten 20 km geht es angenehm hinauf, das Wetter sieht gar nicht so schlecht aus. Wir freuen uns noch auf einen richtig schönen Tag. Bei 850 m.ü.M. fahren wir in den Nebel. Macht nichts. Vielleicht ist es weiter oben besser. Es wird nicht besser, wir sehen so gut wie nichts außer Strommasten, die den Weg begleiten. Der Weg geht leicht auf und ab, zweimal reißt der Nebel ganz kurz auf. Beide Male sind wir gerade in einer Senke und sehen nichts. Einer von vielen Radfahrern (es ist Wochenende), der uns entgegenkommt, meint: "Es fängt gleich an zu regnen". Wir denken noch, ja ist klar, 20 min später regnet es. Dafür können wir aber etwas von der Umgebung sehen und erahnen, wie es wäre, wenn man hier schönes Wetter hat. Hinter Gala verlassen die meisten den Peer-Gynt-Weg und fahren nach Vinstra ab. Wir wollen nach Skabu und folgen dem Weg weiter. Bis hierhin haben wir schon ca. 1000 Hm hinter uns. In Gedanken sehen wir uns gleich nur noch bis Skabu hinab rollen, davon ausgehend, dass Skabu unten in einem Tal liegt. FEHLER! Der Weg denkt gar nicht daran, nach unten zu gehen und wenn, dann nur, um gleich darauf wieder steil anzusteigen. Es ist ein nasser Waldweg. Wir sehen zum Glück immer nur ein Stück und denken: "Na gut, noch einmal rauf, dann wird es schon runtergehen". Trotz des widerlichen Wetters ist der Teil des Weges sehr schön und führt durch Wald, Almen und das Fjell. Es wird immer später, der Abzweig nach Skabu will nicht näher kommen. Irgendwann haben wir es doch geschafft und sind erleichtert. Jetzt nur noch nach Skabu runter rollen. Juhu, es geht hinab. Wir rollen in ein Tal über eine Brücke und dann schläft uns das Gesicht ein und wir denken "Haben wir irgendwas verpasst?". Nach der Brücke steigt die Straße wieder steil an (mit 10%). Wir sind nur noch 2,5 km von Skabu entfernt und stehen jetzt vor dieser Rampe. Die 2,5 km geht es noch mal bergauf und uns dämmert langsam, dass Skabu nicht im Tal liegt, sondern auf der anderen Seite oben von diesem Tal. Wir kämpfen uns hoch, was soll's, jetzt bleiben wir hier nicht mehr am Weg. Wir sind klitschnass und wollen wenigstens eine heiße Dusche. So kommen wir irgendwann gegen 21.00 Uhr am Zeltplatz an und klingeln an der Tür des Besitzers. Wir sagen nur "Wir brauchen einen Platz für unser Zelt". Der Mann sieht uns an, schaut auf die Wiese, sieht uns wieder an und sagt "Ich gebe euch eine Hütte zum selben Preis wie fürs Zelt". Die Hütte ist äußerst gemütlich, trocken und warm. Wir könnten den Mann drücken, so froh und dankbar sind wir über seine unerwartete Reaktion.

Jotunheimvegen

nach Maurvangen/ N

Strecke76 kmHöhenmeter1311 m

Das Wetter ist zu schön, um zu bleiben. Ansonsten hätten wir uns gern erholt vom vergangenen Tag aber wir haben blauen Himmel und Sonnenschein. Wir treten aus unserer Hütte und "Wau, wie schön es hier doch ist". Wir können uns die andere Seite noch mal anschauen, von der wir gestern gekommen sind. Sieht nicht schlecht aus. Der Jotunheim-Weg führt uns heute, wie der Name schon sagt, nach Jotunheimen. Es geht erst mal bergab und dann wieder bergauf auf die Hochebene, wobei eben es nicht ganz trifft. Die Höhe pendelt zwischen 1000 und 1200 m. Oben stellt sich wieder mal ein Gefühl von Weite und Einsamkeit ein. In alle Richtungen sehen wir nur Berge, Seen und das Fjell. Jede Stunde mal ein Auto, ein paar Kühe und Schafe am Rand und ein vermutlich wildes Rentier sehen wir. Damit es nicht zu einfach wird, bläst heute ein richtig kräftiger Gegenwind. Mit einem Schnitt von ca. 12 km/h arbeiten wir uns vorwärts. Die kleinen Fjellbirken und Sträucher färben sich langsam herbstlich. Auf der Straße 51 biegen wir nach Norden. Die Straße steigt nochmals an auf knapp 1400 m.ü.M. Die Abendsonne schaut durch die inzwischen wieder vielen Wolken und färbt die Umgebung in ein herrliches Braun/Orange. Die letzten 10 km nach Maurvangen geht es hinab. Hier gibt es einen sehr idyllischen Campingplatz inmitten der Berge an einem bzw. zwei Flüssen gelegen, bei dem wir schon einmal vor 4 Jahren mit dem Auto waren. Die Nacht wird, wie vor 4 Jahren, eisig kalt.

Hauptsache bergauf

nach Lom/ N

Strecke80 kmHöhenmeter654 m

Am Morgen ist die Zeltwand etwas angefroren. Doch die Sonne erwärmt die Luft recht schnell und wir frühstücken im Sonnenschein. Heute starten wir ganz entspannt und lassen uns noch mehr Zeit beim Einpacken als sonst, denn wir gehen davon aus, dass es hauptsächlich bergab rollt, denn wir sind auf knapp 1000 Hm und unser Ziel liegt auf 360 Hm. Die Straße 51 ist wider Erwarten ruhig. Vermutlich ebbt so langsam der Urlaubsverkehr ab. Wir radeln an einem spiegelglatten See entlang. Es ist absolut windstill. Die bergige Fjelllandschaft spiegelt sich darin und strahlt eine wohltuende Ruhe aus. Von Weitem hören wir das leise Gebimmel der Schafe, sonst ist es auch hier oben wieder ganz still. Die Fjellbirken färben sich langsam rotbraun und die Luft riecht nach Herbst. Wir genießen die wärmende Sonne. Es geht nur allmählich bergab. Dann geht es wieder bergauf. Hmm, eigentlich sollten wir doch so langsam mal an Höhe verlieren. Wir kommen an einem kleinen Skigebiet vorbei. Dann endlich folgt die rauschende Abfahrt. Pustekuchen. Sie ist nur sehr kurz und führt uns durch ein anderes Tal, auf dessen gegenüberliegender Seite wir wieder hinauf müssen. Rechne in Norwegen immer mit Gegenanstiegen, so wirst du nicht enttäuscht! Wir haben fast die Starthöhe erreicht, bevor es auf den letzten 5 km wirklich zur endgültigen Abfahrt kommt. Wir stoßen unten angekommen auf die E 15, die ebenfalls an einem langgestreckten See entlang führt. Wir folgen ihr bis Lom und freuen uns auf einen Ruhetag, den wir, nach den 3 doch recht anspruchsvollen Radtagen, gut gebrauchen können.

Sognefjell- Pass

nach Skjolden/ N

Strecke82 kmHöhenmeter1399 m

Der höchste Pass Norwegens liegt vor uns mit 1440 m. Wir haben Glück, von Norden her ist die Auffahrt deutlich angenehmer als von Süden. Auf den ersten 30 km steigt die Straße ganz allmählich auf 1000 m an. Dann geht es noch mal leicht hinunter und eben an einem See entlang, bevor auf den letzten 10 km der Schlussanstieg folgt, der es mit 8% doch in sich hat. Oben angekommen, geht es 10 km mit leichtem Auf und Ab durch das Fjell. Das Wetter ist, wie in den letzten Wochen so oft, sehr durchwachsen. Dicke Wolken hängen über uns, so dicht, dass oben die Luft feucht wird. Knapp unter den Wolken schauen einige Gletscherzungen heraus. Einmal reißt der Himmel kurz auf und die Sonne scheint hindurch. Ein fantastischer Moment, alles glänzt in der Sonne durch die Feuchtigkeit. Auf der Abfahrt verschwinden wir in den Wolken. Es geht eine steile Serpentinenstraße hinab. Die 180-Grad-Kehren tauchen erst im letzten Moment auf. Das ist zwar auch irgendwie berauschend, aber aus einer rauschenden Abfahrt wird so nichts. Auf 10 km geht es fast 1000 m hinunter. Hier hätten wir nicht rauffahren wollen. Auf dem Campingplatz wird es wieder mal laut. Die letzten Male lagen wir entweder an einer größeren Straße oder einem rauschenden Fluss. Heute ist es ein großer Wasserfall, der sich den Berg hinter dem Campingplatz hinunterstürzt.

Sognefjord

nach Leikanger/ N

Strecke80 kmHöhenmeter650 m

Unsere Beine schreien nach Erholung. In den letzten 4 Radtagen sind wir über 5000 Höhenmeter geradelt, da reicht ein Tag Erholung zwischendurch nicht aus. Da es heute nur am Fjord entlang gehen soll, fahren wir trotzdem weiter. Der Sognefjord ist der längste (mit 204 km) und tiefste (1308 m) Fjord Europas. Von Skjolden geht es nach Sogndal. Bis auf einen kleinen Anstieg zwischendurch (325 Hm) lässt es sich am Fjord gut radeln. Unser nächstes Ziel ist Flam am Aurlandsfjord (Seitenarm des Sognefjords). In Flam beginnt oder besser endet einer der beliebtesten Radwege Norwegens, der Rallarvegen. Flam ist allerdings nur über Umwege oder im wahrsten Sinne des Wortes sehr schwer mit dem Rad zu erreichen. Die E16 dürfen wir nicht benutzen aufgrund größerer Tunnel, die zu beiden Seiten des Ortes liegen. Somit bleiben nur noch 2 Möglichkeiten. Mit der Fähre von Leikanger oder über die alte Straße von Laerdal nach Aurland. Diese 45 km lange Straße hat es aber in sich. Führt sie doch von 0 auf 1300 m und wieder hinunter. Wir entscheiden uns für die Fähre. Die Idee, uns den Naeroyfjorden mit der Fähre anzuschauen, müssen wir auch verwerfen, da es keine vernünftige Möglichkeit gibt, von Gudvangen nach Flam mit dem Rad zu kommen, aufgrund der Tunnel. So düsen wir mit einer Expressfähre am nächsten Tag nach Aurland.

Aurlandsvegen

nach Aurland/ N

Strecke54 kmHöhenmeter1498 m

Das kleine Sträßchen geht uns nicht aus dem Kopf. Nach 2 Tagen Erholung wollen wir den Aurlandsvegen von Laerdal nach Aurland ohne Gepäck befahren. Ein Bus bringt uns durch den 25,5 km langen Tunnel nach Laerdal. Abgesehen davon, dass der Tunnel einer der längsten sein soll, gibt es in dem Tunnel drei Stellen, größere Nothaltebuchten, die mit blauem Licht ausgeleuchtet sind und wahrscheinlich mit Frischluft versorgt werden. Sieht sehr einladend aus. In Laerdal schauen wir uns kurz die Kirche des Ortes an, eine sehr schöne kleine Holzkirche, dann geht es auf den Aurlandsvegen. Auf den ersten 15 km steigt der Weg mit konstant 8% an. So geht es vom Fjord durch ein sehr schönes Mittelgebirgstal hinauf ins Fjell. Ab 900 m.ü.M. verändert sich das Bild alle 100 Höhenmeter. Bei 1300 m.ü.M. erreicht die Straße ihren höchsten Punkt. Von Weitem können wir auf die Hardangervidda schauen und unseren morgigen Weg. Die Abfahrt ist nicht weniger spektakulär. Die ersten 600 Hm geht es durch ein Hochtal hinab. Dann eröffnet sich uns der Blick von oben auf den Aurlandsfjorden. Immer den Fjord im Blick geht es hinunter nach Aurland. Nach 45 km und knapp 1500 Höhenmetern sind wir wieder unten. Es ist wirklich erstaunlich, ohne Gepäck konnten wir diese Strecke fast locker befahren. Morgen werden wir etwas Ähnliches machen, aber mit Gepäck.

Rallarvegen - Teil 1

nach Rallarvegen/ N

Strecke37 kmHöhenmeter1074 m

Von Aurland geht es erst mal nach Flam. Der Ort erweist sich als Touristenumschlagpunkt schlechthin. Die großen Kreuzfahrtschiffe legen hier an. Auf einem großen Parkplatz stehen jede Menge Reisebusse und auf dem Hauptplatz geht es zu wie in einem Taubenschlag. Auch die Flambana fährt von hier nach Myrdal. Mit Superlativen geizen die Norweger hier nicht. Den schmalsten Fjord, die steilste Eisenbahn und den längsten Tunnel gibt es hier. Kein Wunder, dass hier so viel los ist. Hier endet auch der Rallarvegen. Ich sage bewusst endet, weil kaum ein Radfahrer auf die Idee kommt, den Weg von Flam aus zu befahren. Die meisten nehmen von hier aus den Zug nach Myrdal und überbrücken damit die ersten 800 Hm. Wir nicht. Die ersten 17 km geht der Weg gut machbar durch das schöne Flamsdalen. Ein enges Tal mit vielen Wasserfällen und steil aufragenden Bergen. Die letzten 3 km haben es dann aber in sich. Wir wussten es zwar schon vorher, konnten es uns aber nicht richtig vorstellen. Auf ca. 3 km geht es 300 Höhenmeter nach oben mit 21 Haarnadelkurven auf einem steilen teilweise sehr grobsteinigen Weg. Rein rechnerisch alle 150 m eine Kurve und so ist es auch. Am Anfang ist die Strecke zwischen den Kurven noch deutlich kürzer. Das Ganze sieht mehr wie eine Treppe als eine Straße aus. Zu zweit schieben wir jedes Rad Kurve für Kurve nach oben. Die gesamte Schiebeaktion dauert 3h. Da mag man sich die Frage stellen, warum machen die sowas. Ich würde sagen, einfach weil wir die Zeit dafür haben und in der Lage sind, so eine Strecke zu bewältigen, wenn auch schiebend und teilweise fluchend ;) ...

Spruch des Tages: „Zum Glück haben wir heute nichts Besseres vor.“

Rallarvegen - Teil 2

nach Haugastol/ N

Strecke60 kmHöhenmeter854 m

Nur 38 km haben wir unter Aufbietung all unserer Kräfte am Vortag geschafft. Von Myrdal geht der Weg weiter ansteigend mit teilweise weiteren Schiebepassagen und sehr anstrengenden Stücken durch die nördliche Hardangervidda. Geschlafen haben wir an einem See im Fjell. Bis auf die gelegentlich vorbeifahrenden Züge (der Rallarvegen geht parallel zu einer Eisenbahnstrecke) war es ein sehr idyllisches Plätzchen. Zahlreiche Radfahrer kommen uns heute entgegen mit mehr oder weniger Kontrolle über ihr Rad. Einer legt sich direkt vor mir auf die Nase. Fast alle sind auf Leihrädern unterwegs und sehen nicht so aus, als wenn sie so etwas schon häufiger gemacht hätten. Der Weg ist auch hinunter zu sehr anspruchsvoll und erfordert ein hohes Maß an Kontrolle über das eigene Rad. Ist so eine Bahnladung Radfahrer vorbei, haben wir den Weg für uns. Bei 1343 m.ü.M. erreichen wir den höchsten Punkt. Der Weg bis hierher geht auf jeden Fall als einer der schwersten in unsere Tourenhistorie ein. Oben werden wir aber damit belohnt, dass die Sonne herauskommt und wir durch diese atemberaubende Landschaft rollen dürfen. Ich muss hier wieder mal auf unsere Bilder verweisen, mit Worten kann ich es nicht beschreiben. In Haugastöl endet für uns der Rallarvegen. Wir biegen auf die Straße 7 Richtung Eidfjord. Nach 5 km suchen wir uns wieder ein Plätzchen im Fjell. Diesmal ist es aber richtig still.

Spruch des Tages: „Wir müssen das Schieben unter schwierigsten Bedingungen mehr trainieren, das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten.“ ;)

Fjell und Fjord

nach Kinsarvik/ N

Strecke91 kmHöhenmeter508 m

Die 7 führt weitere 30 km durchs Fjell. Hier trifft das Wort Hochebene noch am ehesten zu. Die Straße verläuft zwischen 1150 und 1250 m.ü.M.. In alle Richtungen kann man den Blick weit über die Landschaft schweifen lassen. Der flechten- und moosbewachsene Boden variiert farblich in grünen, braunen und roten Tönen. Es wirkt mehr wie eine hohe Hügellandschaft. Nur in der Ferne ragen höhere Berge mit dem Hardangerjökulen, dem Gletscher, den wir schon vom Rallarvegen aus sehen konnten. Nach 30 km geht es langsam wieder hinunter. Der Landschaftswechsel ist immer wieder überwältigend, diesmal verstärkt dadurch, dass wir bei 800 m.ü.M. auf den Voringsfossen treffen, der eine tiefe Schlucht mit senkrechten Wänden in den Boden gegraben hat. Die Straße geht durch diese Schlucht hinab. Nach fast 100 km im Fjell mit seinen runden und leicht welligen Formen, ist diese Schlucht das extreme Gegenteil. Das Highlight für uns ist die alte Straße. Die neue dürfen wir gar nicht benutzen und so rollen wir auf einem schmalen Sträßchen an senkrechten Wänden und Geröllfeldern vorbei durch diese atemberaubende Schlucht. Unten angekommen, fahren wir wieder an einem spiegelglatten Fjord entlang. Die letzten 4 Tage waren äußerst kontrastreich und intensiv an Eindrücken.

Spruch des Tages: „Man muss wohl dabei gewesen sein.“

Obst am Fjord

nach Odda/ N

Strecke45 kmHöhenmeter385 m

Das Wetter bestimmt aktuell unseren Rhythmus. Der heutige Tag ist noch mal ganz schön. In den nächsten Tagen soll es wieder viel Regen geben. So radeln wir noch ein Stück am Fjord entlang nach Odda, bevor der nächste große Anstieg kommt. Der Fjord ist gesäumt von Obstplantagen (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen), die sich an den steilen Hängen festkrallen. Regelmäßig befinden sich Obstverkaufsstellen am Straßenrand. Wobei niemand dort sitzt. Das Obst steht in Schälchen bereit, die man sich wegnehmen kann, daneben liegt eine Preisliste und eine kleine Box, wo man das Geld reinwerfen soll. Odda ist ein weniger schönes Industriestädtchen. Wir kaufen ein für die nächsten 2 Tage, weil wir den angekündigten Regen aussitzen wollen und fahren zum Campingplatz, der etwas höher an einem See liegt. Kaum haben wir unser Zelt aufgeschlagen, fängt es bereits an zu tröpfeln.

Ohne Regen wäre es richtig schön

nach Roldal/ N

Strecke44 kmHöhenmeter973 m

Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist niederschmetternd. Regen, Regen und noch mehr Regen. Das können wir nicht aussitzen und so packen wir schon heute zusammen, da es gerade mal nicht regnet. Kaum sind wir die ersten Kilometer gefahren, setzt der Regen wieder ein und hört auch nicht wieder auf. Trotz des widerlichen Wetters kommen wir ganz gut hinauf, immerhin knapp 1000 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt. Wir benutzen die alte Straße, um einen 5 km langen Tunnel zu umgehen. Die führt etwas weiter nach oben, macht aber nichts, dafür haben wir Ruhe auf dem kleinen Sträßchen, das kaum einer noch benutzt. Bei der Auffahrt sehen wir wenigstens noch ein bisschen was, bei der Abfahrt verschwinden wir wieder mal im Nebel. Ohne Unterbrechung geht es vom höchsten Punkt (1069 m.ü.M) nach Röldal (380 m.ü.M) hinunter. Kalt und nass, wie wir sind, nehmen wir den ersten Campingplatz. Weiter fahren wollen wir nicht, von hier führt die Straße direkt wieder auf über 1000 m.ü.M..

Tunnel

nach Haukeligrend/ N

Strecke52 kmHöhenmeter954 m

Die Autofahrer können einem hier fast leidtun. Norwegen ist ein Meister im Tunnelbauen. Auf vielen Strecken fährt der Verkehr mehr durch Tunnel als alles andere. Gut, dass es die alten Straßen noch gibt, die wir mit dem Rad benutzen können und teilweise müssen. Heute dürfen wir auch wieder mehrere Tunnel umfahren. Unsere Strecke führt uns durch die südliche Hardangervidda. Hier sind die Berge etwas schroffer und steiler. Das Wetter belohnt uns mit einer Regenpause und schenkt uns sogar ein paar Sonnenstrahlen. Erst als wir kurz vor Haukeligrend einen Campingplatz erreichen, fängt es wieder an. Wir würden gern auf dem Platz bleiben, wir müssten aber noch etwas einkaufen. Wir fragen am Zeltplatz. Erst in 5 km gibt es die nächste Möglichkeit. Wir überlegen noch, als die Frau uns anbietet, dass sie ihren Mann anrufen könnte und er uns die benötigten Sachen mitbringt. Eine Stunde später bringt er uns die Sachen persönlich zum Zelt. Als er uns mit unserem Zelt im Regen sieht, bietet er uns auch gleich noch eine kleine Hütte an zum selben Preis. So ist Norwegen...

Gemütszustände

nach Flateland/ N

Strecke82 kmHöhenmeter771 m

Die Tage gleichen sich. Vormittags warten wir, dass es aufhört mit Regnen, um mehr oder weniger schnell zusammenzupacken und zu starten. Dann hoffen wir, dass es möglichst nicht so schnell wieder anfängt. Gestern erfüllte sich die Hoffnung, heute nicht. 20 km schaffen wir, bevor es wieder den ganzen Tag in Strömen runterprasselt. Die Hände und Füße sind kalt und nass, der Rest des Körpers wechselt zwischen feuchtwarm und feuchtkalt. Wir sind damit beschäftigt, unsere Sachen trocken zu halten oder wieder trocken zu bekommen, was ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen ist. Der Gemütszustand variiert an solchen Tagen von "Ist ja nicht so schlimm." über "Mist, warum jetzt?", "Warum schon wieder?", "Muss das denn sein?", "So ein Sch...". Klitschnass anzukommen, bei Regen das nasse Zelt wieder aufzubauen, ist schon an der unteren Grenze der angenehmen Dinge auf so einer Reise. Bleibt festzuhalten, dass wir heute den letzten größeren Anstieg (300 Hm auf 4 km) hinter uns gebracht haben und es jetzt bis Kristiansand mehr oder weniger bergab gehen sollte.

Setesdal

nach Sandnes/ N

Strecke81 kmHöhenmeter391 m

Vormittags sind wir noch damit beschäftigt, unsere Sachen halbwegs wieder trocken zu bekommen. Gegen Mittag fahren wir weiter. Der Tag wird richtig gut. Das Setesdal, durch welches wir seit Haukeligrend fahren, ist abwechslungsreich. Von Haukeli geht es ein letztes Mal ins Fjell auf über 900 m.ü.M. Einige Kilometer radeln wir durch die uns so liebgewordene Fjelllandschaft, dann verlieren wir ganz allmählich an Höhe. Das Tal ist mal eng und mal weit. Links und rechts stehen hohe Berge, wie sollte es anders sein, von denen sich ein Wasserfall nach dem anderen hinabstürzt. Teilweise bedeckt dichter Mischwald die Hänge. An anderen Stellen ist es der reine Fels mit glatten massiven Steinwänden, über die das Wasser ohne eine Kante dazwischen hinabfließen kann. Vereinzelte Bauernhöfe und kleine Orte finden sich an der Straße, die erstaunlich ruhig ist. Eine Naturgewalt könnte der Grund sein. Eine Steinlawine ist an einer Stelle der Straße abgegangen und versperrt jetzt den Weg. Es gibt zwar eine Alternativroute, die ist aber weniger gut zu fahren mit dem Auto. Wir drängeln uns wieder mal ganz frech durch die Räumungsarbeiten. Nach Extraumwegen ist uns gerade nicht. Es stoppt uns ein Mann aber nur, um den Bagger anzuhalten, damit wir gefahrlos vorbeifahren können. Ein letztes Mal suchen wir uns ein Plätzchen am See zwischen großen Kiefern und vielen Pilzen. Nach dem Essen sitzen wir noch eine ganze Weile und schauen ohne etwas zu sagen auf den See hinaus. Die Zeit in Norwegen geht zu Ende.

Irmhild und Svein

nach Kristiansand/ N

Strecke85 kmHöhenmeter581 m

Der Morgen ist kalt. Wir haben seit langem mal wieder blauen Himmel. Aber die Sonne versteckt sich noch hinter dem Berg. So liegt unser kleines Lager bis zur Abfahrt im Schatten. Wir packen heute mit dem Bewusstsein zusammen, dass es der letzte Radtag in Norwegens schöner Landschaft sein wird, denn Kristiansand ist nur eine Tagesetappe entfernt. Wir kommen zügig voran. Die Berge links und rechts werden immer kleiner. Aufgrund des vielen Regens, der meiste seit Wetteraufzeichnung, stehen große Teile von Wiesen und Weiden unter Wasser. Wir kommen an gewaltig schäumenden Bächen und zahlreichen Wasserfällen vorbei. Auch der Straßengraben ist gänzlich mit Wasser gefüllt. Aber die Sonne ist heute unsere ständige Begleiterin. Es ist ein entspanntes, angenehmes Radfahren (bis auf die letzten Kilometer) und stimmt uns schon auf Dänemark ein, zumindest was das Profil betrifft. In Kristiansand erwarten uns Irmhild und Svein, die wir in Portugal kennengelernt haben und die uns eingeladen haben, die letzten Tage in Norwegen bei ihnen zu verbringen. Die Zwei sind unsere Rettung. Wir und unsere gesamte Ausrüstung brauchen dringend eine Erholung.

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